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Eine Elefantensafari ist sicher eine spannende Sache. Noch nachhaltiger, und vor allem entspannter für alle Beteiligten, ist jedoch ein Elefantenspaziergang. Oder wusstet ihr, dass Elefanten schnurren können?

Bei einem Besuch im Chitwan Nationalpark, im Süden Nepals, ist eine Jungle Safari obligatorisch. Per Jeep wie in Afrika oder auf einem Elefanten begibt man sich ins Herz des Dschungels, um die Tierwelt möglichst nah zu erleben. Es gibt aber auch nachhaltigere Wege, wilde Tiere hautnah zu erleben.

Option Nr. 1: Dschungelspaziergang

Mit dem ersten Vogelgezwitscher schleichen wir uns aus dem kuscheligen Bett der Evergreen Ecolodge in Sauraha. Noch im Morgengrauen, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen durch den Frühnebel kämpfen, erklimmen wir ein Kanu und fahren hinein ins Herz des Dschungels.

Wir schippern gemächlich den Fluss entlang und beobachten zahlreiche Krokodile auf der Lauer, paarungswillige Pfaue im Hochzeitskostüm und andere Frühaufsteher. Lemuren und Makaken hüpfen von Ast zu Ast, Schmetterlinge flattern vorbei, in der Ferne erkennen wir eine Horde Elefanten, Nashörner, knallblaue Vögel (Kingfisher) und Reiher. Am Ufer schnattern braune Enten aus Sibirien, die von unserem Guide beneidet werden: „Die haben’s gut – die fliegen über alle Grenzen hinweg und entscheiden selbst, wo sie leben wollen.“

Nach gut anderthalb Stunden springen wir aus dem Kanu und stehen mitten im Chitwan National Park.

Bevor wir loswandern, erklärt uns der Guide die wichtigsten Verhaltensregeln für die Begegnung mit wilden Tieren.

Regel Nr. 1: Schleichen wie eine Katze – also nicht auf trockene Blätter, Äste oder anderes Gestrüpp treten, um so leise wie möglich durch den Dschungel zu huschen.

Wie verhalte ich mich, wenn ein Elefant hinter mir her ist? Nicht zwischen den Elefant und einen Baum stellen – er würde mich zerquetschen. Besser: hinter Busch oder großem Baum verstecken.

Begegnung mit Nashorn: im wendigen Zickzack-Kurs abschütteln. Nashörner können zwar schnell rennen, allerdings sind sie sehr schwerfällig und können daher nicht so schnell die Richtung ändern. Wenn möglich, auf Baum retten.

Begegnung mit Bär: Gruppe bilden, damit wir größer wirken, der Guide jagt ihn mit einem Stock davon.

Begegnung mit Tiger: zunächst einmal kein Rot tragen, ansonsten: mit festem Blick niederstarren und so Angst einjagen (ich bezweifle, dass mir das gelingen würde; vermutlich würde ich ihn anlocken wollen und dann gefressen werden).

Gewappnet wie echte Dschungelkämpfer starten wir unsere Safari und begeben uns hinein in die Wildnis.

Es ist aufregend, sich im Lebensraum wilder Tiere zu bewegen. Wir sehen zahlreiche Spuren der Dschungelbewohner und werden vom Guide immer wieder ermahnt, uns unauffällig zu verhalten, da wir quasi durch das Wohnzimmer der Tiere marschieren.

Frische Spuren im Dschungelsand

Wir sehen frische Bärenspuren, abgeknickte Büsche, an denen Elefanten sich gerieben haben und entdecken an einem kleinen Flüsschen die Abdrücke eines Tigers, der erst kurz vorher hier getrunken haben muss. An einem Baumstumpf zeigt uns der Guide frische Kratzspuren und reicht mir ein Tigerhaar. Wie elektrisiert nehme ich es an mich, überlege kurz, ob ich es essen soll, um dem Tiger noch näher zu sein, entscheide mich dann aber dafür, es mit den anderen zu teilen und weiterzugeben. Es ist weiß und fester als gedacht, vermutlich vom Schnurrbart und daher etwas stachelig.

Als wir auch noch ein frisches Tiger-Häufchen erkennen, klopft mein Herz bis zum Hals: so nah war ich noch nie dran an einem wilden Tiger. Zu wissen, dass er da draußen irgendwo lauert, sich womöglich nur einen Meter entfernt im nächsten Busch vor uns versteckt, lässt unsere Herzen höher schlagen.

Kaum haben wir den Tiger hinter uns gelassen, erwartet uns schon die nächste Aufregung: direkt neben uns am Uferrand des Flüsschens sonnen sich Krokodile. Eines verschwindet schnell unter Wasser und wir fragen uns, ob es wohl mit geöffnetem Maul ein paar Meter weiter nur darauf wartet, dass wir einen falschen Schritt machen?

Zu unserer Überraschung fordert uns der Guide kurz danach auf, die Hosen hochzukrempeln und durch den Fluss zu waten. Äh, und die Krokodile? Kein Problem, das Wasser ist hier zu seicht für die. Nun gut, er muss es ja wissen. Gesagt, getan. Mit klopfendem Herzen durchwaten wir den Fluss und kommen alle heile und vollzählig am anderen Ufer an.

Dort wandern wir zwischen hohen Gräsern und Büschen weiter, bis uns der Guide ein Zeichen gibt. Wir halten den Atem an und lauschen auf die vielstimmigen Geräusche des Dschungels. Wir schleichen wie eine Katze weiter, dann gibt der Guide erneut ein Zeichen. Vor uns stehen drei Nashörner und mampfen genüsslich frisches Gras. Schritt für Schritt schleichen wir uns näher heran, um Fotos zu machen.

Da vergisst einer den Katzentritt und stapft auf einen Ast. Das Geräusch zerreißt die Stille wie ein Schuss. Ein Nashorn wackelt nervös mit den Ohren und blickt genau in unsere Richtung. Der Guide fuchtelt wild, und wir rasen wie aufgeregte Hühner davon, einer verläuft sich, zwei rennen in die falsche Richtung, eine andere schießt Fotos. Nach einer Weile, als wir uns in sicherer Entfernung wieder gesammelt haben, zählt der Guide unsere Vergehen auf: alle haben so ziemlich alles falsch gemacht. Betreten grinsen wir uns an: nochmal Glück gehabt. Vermutlich grinst auch das Nashorn zufrieden, hat es sich doch keinen Zentimeter bewegt und doch die Eindringlinge verscheucht.

Der Dschungel brennt

Schließlich begeben wir uns auf den Rückweg und bemerken, wie schwarzer Rauch aufzieht. Um uns herum knackt der Dschungel und lodert lichterloh, eine wabernde Flammenwand frisst sich bedrohlich näher.

Wieder Herzklopfen: was ist los? Der Guide beruhigt uns, dass der Dschungel kontrolliert abgebrannt wird, um das trockene Gestrüpp loszuwerden und dem Dschungel zu erlauben, frisches Gras und neue Triebe für die Tiere wachsen zu lassen.

Daher ist auch jetzt die beste Zeit für einen Dschungelbesuch, weil ansonsten das Gras so hoch steht, dass man überhaupt keine wilden Tiere entdecken kann.

Option Nr. 2: Elefantenspaziergang

Für die meisten Touristen aus China, Indien oder Nepal gehört ein Ritt auf dem mächtigen Elefanten noch zur Vorstellung von einer ordentlichen Safari, auf der Jagd nach dem besten (Schnapp-)Schuss. Wenn aber ein vollbesetzter Safari-Jeep für alle sichtbar zur Elephant Happy Hour fährt, sehen die Einheimischen, dass es sich lohnt, die Tiere anders zu behandeln.

Wir treffen Florine und Michael von StandUp4Elelephants, die uns erklären, wie wir uns im Angesicht eines Elefanten verhalten sollen. Ruhig auf ihn bzw. sie zugehen, keine hektischen Bewegungen, nicht übermäßig tätscheln und vor allem nicht unvermutet aus dem toten Winkel des Tieres auftauchen, schon gar nicht von hinten anfassen. Keine Selfies machen und ihr dabei den Rücken zukehren. Wenn wir ihr Leckerlis reichen, mit offener Hand darbieten, am besten direkt auf das vordere Ende des Rüssels legen. Alles klar.

01Als wir auf dem Gelände ankommen, von wo aus normalerweise der Elefantenritt beginnt, nähert sich die Elefantendame Rupakali zutraulich. Sie weiß, dass wir zu den good guys gehören und sie mit leckerem Essen und Streicheleinheiten verwöhnen werden.

Normalerweise muss Rupakali bis zu 10 Mal am Tag fünf oder sechs Touristen auf ihrem Rücken durch den Dschungel befördern. Elefanten können zwar sehr gut schwere Gegenstände bewegen, sind also gut als Arbeitstiere einsetzbar, allerdings sind sie nicht geschaffen dafür, als Lasttiere genutzt zu werden. Daher nennen Florine und Michael ihr Programm auch „Elephant Happy Hour“, weil Rupakali eine Stunde lang machen kann, was sie will.

Schnell finden wir heraus, was sie am liebsten hat: frische Bananen. Was sie nicht so gern mag, wie etwa Zucchini oder Rüben, legt sie beiseite, um sie später zu vernaschen.

Dann marschiert sie lässig in ein Gehege, das vom restlichen Dschungel abgetrennt etwa so groß ist wie ein Fußballfeld. Dort beginnt ihre Happy Hour: sie besprüht sich ausgiebig mit Staub, räkelt sich an einem Baum, so dass der ganze Dschungel wackelt und reibt die trockene Haut an einem Busch.

Wer hat Angst vor dem Elefantenbaby?

Plötzlich kommt Panik auf. Eine Elefantendame mit Touristen auf dem Rücken rennt wild trötend auf uns zu: wenn fünf Tonnen mit 50km/h auf dich zurasen, nimmst du besser Reißaus. Wir schlagen uns in die Büsche, bis wir das Zeichen zur Entwarnung erhalten. Grund für die Panik: ein kleines Elefantenbaby, das von Rupakali adoptiert wurde, hat seine neue Mama mit der anderen Elefantendame verwechselt und war auf sie zugestürmt. Allerdings hat ausgerechnet diese Elefantendame Angst vor Elefantenbabies und wollte bei Rupakali Schutz suchen. Diese blieb von der ganzen Aufregung völlig ungerührt und kratzte sich weiter an ihrem Busch, bis die Lage sich wieder beruhigt hatte.

Wir beobachten, wie sie sich genüsslich an einem Baum reibt und dabei einen sonoren Laut von sich gibt, als würde sie schnurren. Nun begreifen wir, was happy hour für Rupakali bedeutet: völlige Entspannung.

Während die Elefantendame putzig den Augenblick genießt, erfahren wir allerhand Hintergrundinfos von Florine und Michael. Etwa, dass die Hälfte der Safarielefanten illegal sind, weil offiziell nur die Regierung Elefanten halten darf. Diese drückt jedoch ein Auge zu, weil die Betreiber trotzdem die Gebühr für den Nationalpark entrichten müssen und sie somit auch ein Geschäft macht.

StandUp4Elephants verfolgen ein disruptives Modell: sie könnten den Elefant auch kaufen, doch dann würde eben ein anderer Elefant auf Safari gehen müssen. Sie jedoch zahlen für die Elephant Happy Hour ebenso Miete an die Besitzer für Rupakali, nur dass sie für ihr Geld in der Zeit eben nicht durch den Dschungel laufen muss, sondern bezahlte Freizeit hat. So tritt ein Lerneffekt und eine langsame Veränderung ein: Die Einheimischen sehen, dass man trotzdem mit dem Elefanten Geld machen kann und alle sind glücklich – die Touristen, die Besitzer und vor allem: die Elefanten!