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Wie überlebt man den nepalesischen Winter ohne Heizung?

Wenn Flüsse gefrieren, Bäche eine glitzernde Eisdecke tragen und der Amtsleiter in Manang lieber den ganzen Tag im Bett bleibt, dann erleben wir die härteste Zeit des Jahres.

Dort in Manang, in Zentralnepal, kämpfen sie mit eisigen Temperaturen um -16 Grad. Bei uns in Kathmandu verzeichnen wir tagsüber 15ºC und nachts zwei Grad.

Wie hierzulande üblich, gibt es in unserem Haus keine Heizung. Wo es nur zwei Monate im Jahr so richtig kalt wird, ist diese auch eigentlich nicht nötig. Was also tun bei der Kälte?

Zunächst versuchen wir es mit dem Zwiebellook. Wir ziehen einfach alle zur Verfügung stehenden warmen Klamotten an: Merinoleggins, langärmeliges Merinounterhemd, dicke Merinosocken, Kaschmirpulli, Jeans, wattierte Weste und wickeln uns in eine Kaschmirdecke.

Pashmina aus Nepal

Warum betone ich dabei die Wollart? Nun, in Nepal bekommt man insbesondere Kaschmirprodukte zu einem relativ günstigen Preis. Angepriesen als „Pashmina“ denkt der Laie, es handele sich dabei um eine spezielle Wollart. Ist es aber nicht. Pashmina ist eine reine Handelsbezeichnung, vornehmlich für breite Schals, die meistens aus Kaschmir, oder aber auch aus allen möglichen Fasern hergestellt werden. Die guten Geschäfte verkaufen Qualitätsware aus Kaschmirwolle oder als Gemisch mit Schafs- oder Yakwolle.

Um die echte von der synthetischen Wolle zu unterscheiden, gibt es einen Trick: einfach einen Faden ziehen und ein Feuerzeug darunter halten. Bei der Kunstwolle stinkt es sofort nach Plastik. Falls der Händler keine echte Ware anbietet, wird er schon bei der Andeutung einen Schreck kriegen und lieber gleich die guten Schals zeigen, sofern vorhanden.

Bei S.K. Pashmina, dem Kaschmirhändler meines Vertrauens in Thamel, gibt es kuschelige Ware, eine ausführliche Beratung und heißen Tee.

Eingepackt in die Wollhaut setze ich mich in die Sonne – zum Glück scheint sie jeden Tag. Unsere Wohnung ist so geschnitten, dass die Sonnenstrahlen mit mir von Raum zu Raum wandern: erst im Schlafzimmer, zum Frühstück im Esszimmer, das Wohnzimmer leuchtet bis zum Sonnenuntergang.

Auch meine Nachbarn nutzen die Kraft der Sonne. Sie kauern am Straßenrand und lassen die Wärme auf sich wirken.

Überhaupt findet das Leben hier größtenteils auf der Straße statt. Da werden Gewürze gemahlen, Chilis getrocknet oder Büffel geschlachtet. Das Baby massiert, Haare gelaust oder Omas Fußnägel geschnitten.

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Bester regionaler Tee in Exportqualität

Damit ich auch meine innere Heizung auf Touren bringe, gehe ich auf dem Laufband joggen und trinke viel frischen Ingwertee mit Zitrone und Honig oder eine der regionalen Teesorten.
Denn in Nepal gibt es ausgezeichnete Tees. Sie kommen in hübsch geschnitzten, kleinen Holztruhen daher.

Die Qualität ist so gut, dass die Tees meist nach Indien exportiert und dem Darjeeling beigemischt werden.
Mittlerweile gibt es auch einige selbstbewusste Hersteller, die von ihrer Qualität so überzeugt sind, dass sie ihre Ware besser vermarkten und als Spitzentee aus Nepal präsentieren.

Einige pfiffige Leute sind auch schon auf die Idee gekommen, westlichen Touristen, ähnlich wie in Australien, eine Art „work and travel“ anzubieten und diese auf ihren Teeplantagen arbeiten zu lassen – wobei die Freiwilligen sogar umgerechnet rund fünf Dollar pro Tag dafür geben, dass sie dort pflücken und so ganz authentische Erfahrungen machen dürfen.

Für einen heißen Adrenalinschub sorgen auch immer wieder die nepalesischen Verhältnisse. Etwa, wenn von 10 Geldautomaten kein einziger funktioniert, oder wenn in der gewohnten Reihenfolge das Wasser, das Internet und der Strom ausfallen. Aber das kennen wir ja bereits.

So richtig warm um’s Herz wird es mir auch, wenn ich im Geschäft vor einem leeren Regal stehe, wo beispielsweise die scharfen Bananenchips liegen sollten. Auf Nachfrage blickt mich die Verkäuferin verständnislos an, als habe es die niemals gegeben.

Einfach cool bleiben und Tee trinken. Der würzige Masala-Tee (Chai) ist übrigens besonders lecker und wärmt auch von innen. Er besteht aus Schwarztee mit einer Gewürzmischung aus Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom, Pfefferkörnern und Lorbeerblättern. Er wird gewöhnlich mit Milch und Zucker getrunken.

Wenn der Tee nicht hilft, muss selbst gemachter Glühwein her. Dazu nimmt man den echt guten indischen Rotwein (überraschende Entdeckung: Shiraz von Sula), eine Sternanis aus Goa, drei indonesische Nelken und zwei Stangen Ceylon Zimt, eine in Scheiben geschnittene Orange und gibt etwas nepalesischen Honig hinzu. Das Ganze erhitzen (nicht kochen), dann eine Stunde ruhen lassen, wieder erwärmen und heiß genießen.

Eiskalte Bilanz: 15 Tote durch Erfrieren

Sobald die Sonne untergeht, kommt auf die dicke Schicht eine weitere Lage hinzu: Fleecejacke, Bommelmütze und Kaschmirschal. Und weil wegen der Kälte auch das Nachtleben zum Erliegen kommt, hüllen wir uns in mehrere Lagen zentimeterdicker Decken und gehen früh ins Bett.

Ein Platz an der Sonne

Was aber machen die Nepalesen, wenn es nachts kalt wird? Sie schüren ein Feuer aus Unrat und Holz, stellen sich darum und wärmen einander. Oder sie entfachen ein Feuer in der Wohnung. Dabei kommt es leider häufig zu Verbrennungen oder Vergiftungen durch Kohlenmonoxid.

Auf dem Lande ist das Leben noch härter und so gibt es in diesem Winter bereits 15 erfrorene Menschen zu beklagen. Die Regierung hat nun ein Notfallprogramm gestartet und gibt Decken, Feuerholz und andere Hilfsgüter aus.

Wenn die Vorhersagen stimmen, soll es bereits nächste Woche etwas wärmer werden. Lasst uns die eiskalten Daumen drücken!