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Nun habe ich Euch ja ganz schön lang warten lassen. Ein Blick auf die Statistik verrät mir, dass immer noch einige Interessierte jeden Tag auf eine neue Geschichte warten. Ich weiß, ich war lange weg, dabei war ich doch nur Obstbäume retten in Berlin!

Ab jetzt gibt es wieder Futter! Ich habe mich dazu entschlossen, die Schreibleidenschaft noch professioneller anzugehen und mich bei einer Autorenschule beworben. Dort hatte man nichts besseres zu tun, als mich aufzunehmen und so gebe ich jetzt neben vergessenen Obstbäumen auch meinen eigenen Texten wieder eine Stimme.

Hier ein kleiner Auszug dessen, was mir vergangenes Wochenende eingefallen ist, als wir ausgesandt wurden, Leute zu beobachten. Im Anschluß wurden dann per Los Orte des Geschehens vergeben und die unschuldigen Menschen zu Protagonisten erkoren und jeweils einzeln in kleine Geschichten verpackt:

Im Baumarkt

Gedankenverloren blätterte Detlef in seinem Outdoor Magazin. Da stach ihm eine bunte Holzlaterne ins Auge. „Sechzig Euro! Das ist ja Wucher! So was müsste man doch selbst bauen können“, dachte er bei sich und schaute sich die Konstruktion genauer an. Dem Bild nach zu urteilen war die Lampe ganz einfach gezimmert. Ähnlich konstruiert wie ein Vogelhäuschen, nur bunt angemalt. In der Mitte eine einfache Öffnung für eine Glühbirne. „Und dafür wollen die sechzig Euro haben“, murmelte er. „Da hole ich mir doch einfach ein paar Leisten aus dem Baumarkt und hämmere das Ding selbst zusammen.“ Energisch klappte er das Magazin zu und stapfte los. Am besten erledigte er das gleich. Er blickte auf seine schwarze Armbanduhr. Der Baumarkt in Wedding hatte heute bis zwanzig Uhr geöffnet. Wenn er sich gleich auf den Weg machte, konnte er noch schnell ein paar Holzlatten holen. Passende Nägel hatte er in seinem Werkzeugkasten, das wusste er. Dann würde er noch schnell ein paar bunte Holzfarben mitnehmen, das Ding lackieren und fertig. Oh, Harry wäre begeistert, wenn Detlef ihm seine Überraschung präsentierte. So könnten sie sich auf ihrem Berliner Balkon schon gedanklich auf die große Reise nach Thailand einstimmen. Vorsichtshalber riss er die Seite aus dem Magazin und faltete das Papier sorgfältig zusammen. Er steckte es in seine linke Hemdtasche und verschloss sie mit dem Hemdknopf. Noch einmal kurz mit dem Kamm über die hellgrauen Haare gekämmt, Geldbörse und Schlüssel geschnappt und los ging’s. Forschen Schrittes stapfte er zur U-Bahn. Nur vier Stationen und schon war er da.

„Wo bitte ist die Holzabteilung?“, fragte er gleich am Eingang einen Baumarkt-Mitarbeiter. Er wollte keine Zeit mit unnötiger Sucherei verplempern. „Den dritten Gang links runter, dann ganz hinten,“ wies ihm der junge Mann den Weg. Alles klar. In der Holzabteilung angekommen holte Detlef sein Muster aus der Hemdtasche. Er brauchte nur vier schmale Latten, die konnte er bestimmt einzeln kaufen. Er blickte sich kurz um und fand das Gesuchte sofort. „Passt perfekt“, freute er sich. Da knallte etwas gegen seine Waden. Vor Schreck fielen ihm die Holzlatten runter. „Autsch, was soll das?“, entfuhr es ihm. Er wirbelte herum und sah einen schnöseligen Knaben, der offenbar nichts Besseres zu tun hatte, als im Baumarkt mit seinem bekloppten Fußball herumzuballern. „Pass doch auf, du Milchbubi!“, schimpfte Detlef. „Ey, Alter, war ja nicht mit Absicht,“ nuschelte der pubertierende Junge und schnappte sich seinen weißen Fußball mit roten Sternen darauf. „Frechheit!“, rief ihm Detlef hinterher. Diese verzogenen Jugendlichen heutzutage wissen einfach nicht, was sich gehört. Er klaubte die Holzlatten wieder auf und machte sich auf den Weg zur Farbabteilung. Regenbogenfarben, die wollte er kaufen.

Da kugelte zwischen den Regalen schon wieder der rotbesternte Fußball hervor. Am liebsten hätte Detlef dem blöden Jungen eins ausgewischt und den Fußball versteckt. Warum eigentlich nicht? Der Junge war offenbar noch auf der Suche, also packte Detlef den Ball und legte ihn in ein Regal zwischen die Stromsparglühbirnen. Da würde der freche Bengel ihn so schnell nicht finden. Er setzte seinen Weg fort und lächelte den Jungen, der ihm nun suchend entgegen kam, maliziös an. „Haben Sie meinen Ball gesehen?“, fragte der Junge nun ganz höflich. „Nein, tut mir leid, Junge, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen“, grinste Detlef. „Gott bestraft alle kleinen Sünden gleich“, dachte er und ging beschwingt zur Kasse.