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Ich wusste gar nicht, dass ich ein so grosser Notwist-Fan bin! Ich habe die Musik immer geliebt, höre sie gelegentlich immer wieder, aber irgendwie waren sie nie so präsent wie andere musikalische Helden. Trotzdem zögere ich nicht eine Sekunde, als mich mein Freund Felix fragt, ob ich ihn zum Konzert im Astra begleiten möchte.

Wir positionieren uns strategisch günstig im linken vorderen Bereich, so dass wir ausreichend Platz für Tanzbewegungen haben und schnell Bier holen gehen könnten. Was wir da aber noch nicht wissen: das Konzert ist vom ersten Augenblick an so fesselnd, dass wir nicht eine Sekunde verpassen wollen.

Nach einer netten Vorband (habe leider den Namen vergessen, waren aber gut), geht’s los. Alle begeben sich in Position als der Sound der neuen Platte ertönt. Obwohl ich noch gar keine Gelegenheit hatte, dem neuen Werk zu lauschen, klingt es vertraut. Neben mir steht ein „echter“ Fan und nimmt sich mit exponiertem Gezappel für mein Gefühl etwas zu viel Raum. Ich verstecke mich neben Felix, er muss das jetzt ausbaden. Ich nehme ein Bad in der Menge. Das Astra wogt rhythmisch auf und ab, hin und her.

Klanggemetzel und Elektrogefrickel reiht sich an melancholisches Gejaule und ist gleichzeitig ausgewogen verpackt in ein großartiges, ja bombastisches Konzert, das augenscheinlich für gigantische Festivals konzipiert wurde und nun die paar hundert frenetisch jubelnden Berliner im Astra aufputscht. Ich fühle mich wie auf einer Zeitreise – auf einer Autobahn Jahrzehnte vor und zurück.

Wo wart Ihr vor 12 Jahren, wo war ich? Obwohl wir uns nicht persönlich kennen, verbinden mich intensive Klangstunden mit The Notwist. Ich lache und weine gleichzeitig. Mittlerweile tanze ich ausgelassen neben dem Ausdrucktänzer und nehme schwitzend ebenso viel Raum ein. Unmöglich, hier nicht durchzudrehen. Mir war gar nicht bewusst, dass es so eine Musik noch gibt, ein wunderbar verquerer Mix aus 90er, Zweitausender und aktueller Elektronik. Nach gefühlt einem Jahrzehnt musikalischer Reise kündigt Sänger Markus Acher das letzte Lied an. Das Publikum pfeift widerwillig. Und so bleibt es dann auch nicht beim letzten Lied. Nach der obligatorischen Zugabe wollen wir immer noch nicht wahrhaben, dass dies das Ende sein soll und pfeifen, kreischen, jubeln und grölen so lange, bis es eine weitere Zugabe gibt. Nach über zwei Stunden sind wir dann alle ausgelaugt und befriedigt und die Musiker dürfen die Bühne schließlich doch verlassen. Da bedankt sich der Sänger artig und ich denke mir: DANKE an Euch, dass es Euch gibt, liebe Notwists!

Wir schweben raus und wissen: wir sind die grössten Fans! 🙂

Wer wissen will, wie sich das anfühlt, hier ist der Stream zum aktuellen Album. In echt ist das alles noch toller! Ich höre den ganzen Tag nichts anderes.
http://www.kraftfuttermischwerk.de/blogg/album-stream-the-notwist-close-to-the-glass/