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Nun sind wir ja schon ein halbes Jahr zu Gast bei Daniela und Amir (an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön!), da wird es doch allmählich an der Zeit, sich nach den eigenen vier Wänden umzusehen. Wie rege der Immobilienmarkt Sydneys ist, kennen wir ja durch unser Tagesgeschäft der „Building Inspections“. Hier werden ständig Häuser an- und verkauft. Wer sicher sein will, dass die Bausubstanz frei von Schäden ist, bucht uns 🙂 Dann kommen mein Schwager und Arndte, sehen sich das Anwesen an und hinterher schreiben sie einen Bericht über mögliche Vorkommnisse. Für die Häuser werden dann teilweise astronomische Preise aufgerufen, die bei uns für Kopfschütteln sorgen. Auch bei Mietwohnungen dreht sich alles um location location location und so düsen wir nun durch die Stadt, um eine kleine, bezahlbare Wohnung in einer netten Umgebung zu finden. Das ist aber wieder eine Herausforderung! Einerseits spannend, weil wir so die Stadt ein bisschen besser kennen lernen. Dann aber auch ein wenig deprimierend, wenn man sich das Angebot genauer ansieht.

In den Wohnungsanzeigen sind nicht die Quadratmeter angegeben, sondern nur die Anzahl der Räume und Mietpreis pro Woche.  Da werden dann für eine etwa 15qm Wohnung (also ein Raum mit kitchenette, wie es hier so schön heisst) schon mal 1200 Dollar (etwa 835 Euro) fällig. Huch. Mieter haben im Allgemeinen keinen so hohen Stellenwert wie Käufer und Neu-Australier im Besonderen verfügen über einen sehr geringen Status. Denn, wie wir jetzt gelernt haben, für eine Wohnungsbewerbung bedarf es neben den üblichen Unterlagen wie Gehaltsabrechnung, Ausweiskopie etc. auch detaillierter Angaben zum aktuellen und vorherigen Arbeitgeber (unter Angabe der Adresse; am besten eine australische), dazu Auskunft über die voran gegangene Wohnsituation und, neu für uns: Referenzen. Jawohl. Hierfür benötigen wir sowohl formale Referenzen, wie z.B. unseres Arbeitgebers, aber auch persönliche Referenzen von Freunden, die aber nicht mit uns zusammen leben dürfen. Im Grunde will man herausfinden, ob man solvent und in der Lage ist, die kleine Bude auch bewirtschaften, sprich: sauber halten zu können. Neu mit diesen Anforderungen konfrontiert, learning by doing eben, haben wir das bei den ersten Bewerbungen nicht ganz so ernst genommen und prompt die ersten Absagen kassiert. Auch reicht es nicht, sich als Paar gemeinsam zu bewerben, nein, es sollte doch jeder eine eigene Bewerbung abgeben, die mitunter dann auch noch mal $30 kostet. Ein teuer Spass, dieses Wohnungs-Sightseeing 😉

Wenn man dann mal eine Wohnung ergattert hat, sind strikte Regeln einzuhalten. So ist es beispielsweise verboten, Nägel oder sonstige Halterungen anzubringen. Bilder dürfen grundsätzlich nur mit Klebestreifen aufgehängt werden. Da verbietet es sich von selbst, an schwere Rahmen auch nur zu denken. Auch kleinere An- und Umbauten sind untersagt. Selbst Reparaturen dürfen aus versicherungstechnischen Gründen nicht selbst erledigt werden. Hierfür schickt der Vermieter, wenn überhaupt, zumeist erst nach mehrmaligen freundlichen (!) Aufforderungen, Handwerker vorbei. Das in Deutschland gängige Druckmittel, die Miete zu kürzen, sei hier nicht empfohlen. Denn wenn die Miete auch nur für eine Woche ausbleibt, kann der Vermieter die sofortige Räumung veranlassen – und wird dies sicherlich auch tun, hier wird nicht lange gefackelt. Sollte doch einmal ein Handwerker auftauchen, so erfolgt hierfür nicht unbedingt eine Vorankündigung. Es kommt durchaus vor, dass der Mieter an einem benutzten Glas in der Spüle erkennt, dass jemand in der Wohnung war.

Es kann aber auch der agent mit Wohnungsinteressenten sein. Wir fanden uns auch schon inmitten der persönlichen Habe eines Mieters wieder, dessen Wohnung gerade zur Besichtigung freigegeben wurde. Ob er davon wusste, dass zwanzig Leute in seinem Schlafwohnbadezimmer mit Küchenzeile stehen würden? Aber immerhin bot die Wohnung eine spektakuläre Aussicht auf die skyline. So bietet die Wohnungssuche eben auch Einblicke in ein ganz anderes Sydney 🙂 Und reichlich Gelegenheit, die Aussicht von der harbour bridge zu geniessen oder die zu unrecht gänzlich unbekannte Anzac Bridge zu bestaunen.