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Leider mussten wir jetzt schmerzlich erfahren, dass Nairobi ihren unruehmlichen Beinamen Nairobberi zurecht traegt.
Wir hatten gerade einen Besuch im Nairobi National Museum hinter uns und tranken gemuetlich Kaffee im Cafe nebenan, als Arndte ploetzlich feststellte, dass seine Tasche weg war. Wir konnten es zunaechst nicht glauben und dachten, sie waere irgendwoanders, doch anscheinend wurde sie tatsaechlich gestohlen. Wir hatten ueberhaupt nicht mitbekommen, dass jemand in der Naehe unseres Tisches war, aber als wir dann rausrannten, um nachzusehen und dadurch grossen Wirbel verursachten, fiel einer Kellnerin ein, dass sich drei Frauen auffallend verhalten hatten. Ery hatte sie auch gesehen. Sie sassen nur wenige Minuten einen Tisch weiter und verschwanden ploetzlich, ohne etwas zu bestellen. Die Kellnerin hatte beobachtet, dass sie sofort in ein Taxi gestiegen waren und davon fuhren. Sie mussten die Tasche gestohlen haben.
Wir fuhren sofort nach Hause, damit Arndte seine VISA-Karten sperren konnte. Danach gingen wir zur Polizei, um den Diebstahl zu melden. Dort war es aehnlich seltsam wie damals bei der Polizei auf Nias (wo wir den Einbruch bei Ilda gemeldet hatten). Der diensthabende Polzist war zunaechst voellig ueberfordert, notierte dann aber doch die gestohlenen Sachen in sein dickes Buch am Empfang – handschriftlich, mit einem schlecht funktionierenden Kuli. Nachdem er den Bericht aufgenommen hatte und wir nach einer Kopie fragten, musste erst mal jemand ausschwaermen, um die verantwortliche Person mit Schluesselgewalt zu finden. Nach einer Weile schlappte eine junge Frau im T-Shirt und Flipflops an, fuehrte uns durch die Polizeistation, die in etwa auf dem Stand der 70er Jahre haengen geblieben war und Arndte durfte auf einem Plastikstuhl Platz nehmen. Ich gesellte mich zu ihm auf einen Holzhocker. Nachdem die Assistentin aus einer dunklen Hinterkammer Schreibzeug und Durchschlagpapier gewuehlt hatte, durfte Arndte noch einmal aufzaehlen, was alles gestohlen wurde. Nach dem genauen Ablauf oder Taeterbeschreibung wurde gar nicht erst gefragt. Das Buero war vollgestopft mit Akten, die in einem klapperigen, abgewetzten Aktenschrank lagen, es gab auch einen Computer, der aber offenbar nicht funktionierte. Waehrend der Bericht aufgenommen wurde, blaetterte ein Mann in Zivil lustlos in irgendwelchen Belegen. Seltsam, das alles. Nachdem Arndte 200 Kenianische Schilling (rund 2 Euro) gezahlt hatte, bekam er den Zettel ausgehaendigt, immerhin mit Stempel und Unterschrift versehen.
Unser Fahrer, der uns auch in die Polizeistation begleitet hatte, konnte es kaum fassen, dass wir tatsaechlich einen offiziellen Polizeibeleg erhalten hatten. Anscheinend ist es eine Seltenheit, etwas Schriftliches zu erhalten, man wird wohl sonst immer von Tag zu Tag vertroestet. Wir haben nicht genau verstanden, warum das so schwierig ist. Vielleicht wollen sie sich Schreibarbeit ersparen in solch einem aussichtslosen Fall oder sie wollen nicht offiziell dazu genoetigt werden, den Fall zu verfolgen oder sie erwarten mehr Geld dafuer. Immerhin haben die Polizisten sogar unseren Fahrer nach Geld gefragt! Nur weil wir einen Termin bei der Deutschen Botschaft hatten und dort den Polizeibericht vorlegen mussten, haben wir ueberhaupt einen Beleg fuer nur 200 KSh erhalten.
In der Botschaft ging dann alles relativ schnell. Nachdem wir ca. 10 Minuten draussen warten mussten, um eingelassen zu werden (waehrend unser Fahrer ohne Kontrolle einfach so durch die Sicherheitsschleuse gelassen wurde), holte uns der Botschafter an der Tuer ab, regelte die Formalitaeten fuer den temporaeren Reisepass ganz fix und Arndte hielt bald die wichtigen Dokumente in den Haenden.
Eigentlich hatten wir an dem Tag noch vor, Postkarten zu schreiben, nach der Episode hatten wir dann aber weder Geld noch Muse dafuer, uns diesem aufwaendigen Verfahren auszusetzen. Man kann naemlich nicht einfach Postkarten schreiben, ne Briefmarke aufkleben und abschicken, sondern man muss extra Umschlaege dafuer kaufen, sonst kommen sie nicht an.
Trotzdem nochmal HAPPY NEW YEAR! Lasst euch nicht die Laune verderben und think positive 😉 Kwahery, Nairobi!