Im Herzen des Dschungels

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Eine Elefantensafari ist sicher eine spannende Sache. Noch nachhaltiger, und vor allem entspannter für alle Beteiligten, ist jedoch ein Elefantenspaziergang. Oder wusstet ihr, dass Elefanten schnurren können?

Bei einem Besuch im Chitwan Nationalpark, im Süden Nepals, ist eine Jungle Safari obligatorisch. Per Jeep wie in Afrika oder auf einem Elefanten begibt man sich ins Herz des Dschungels, um die Tierwelt möglichst nah zu erleben. Es gibt aber auch nachhaltigere Wege, wilde Tiere hautnah zu erleben.

Option Nr. 1: Dschungelspaziergang

Mit dem ersten Vogelgezwitscher schleichen wir uns aus dem kuscheligen Bett der Evergreen Ecolodge in Sauraha. Noch im Morgengrauen, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen durch den Frühnebel kämpfen, erklimmen wir ein Kanu und fahren hinein ins Herz des Dschungels.

Wir schippern gemächlich den Fluss entlang und beobachten zahlreiche Krokodile auf der Lauer, paarungswillige Pfaue im Hochzeitskostüm und andere Frühaufsteher. Lemuren und Makaken hüpfen von Ast zu Ast, Schmetterlinge flattern vorbei, in der Ferne erkennen wir eine Horde Elefanten, Nashörner, knallblaue Vögel (Kingfisher) und Reiher. Am Ufer schnattern braune Enten aus Sibirien, die von unserem Guide beneidet werden: „Die haben’s gut – die fliegen über alle Grenzen hinweg und entscheiden selbst, wo sie leben wollen.“

Nach gut anderthalb Stunden springen wir aus dem Kanu und stehen mitten im Chitwan National Park.

Bevor wir loswandern, erklärt uns der Guide die wichtigsten Verhaltensregeln für die Begegnung mit wilden Tieren.

Regel Nr. 1: Schleichen wie eine Katze – also nicht auf trockene Blätter, Äste oder anderes Gestrüpp treten, um so leise wie möglich durch den Dschungel zu huschen.

Wie verhalte ich mich, wenn ein Elefant hinter mir her ist? Nicht zwischen den Elefant und einen Baum stellen – er würde mich zerquetschen. Besser: hinter Busch oder großem Baum verstecken.

Begegnung mit Nashorn: im wendigen Zickzack-Kurs abschütteln. Nashörner können zwar schnell rennen, allerdings sind sie sehr schwerfällig und können daher nicht so schnell die Richtung ändern. Wenn möglich, auf Baum retten.

Begegnung mit Bär: Gruppe bilden, damit wir größer wirken, der Guide jagt ihn mit einem Stock davon.

Begegnung mit Tiger: zunächst einmal kein Rot tragen, ansonsten: mit festem Blick niederstarren und so Angst einjagen (ich bezweifle, dass mir das gelingen würde; vermutlich würde ich ihn anlocken wollen und dann gefressen werden).

Gewappnet wie echte Dschungelkämpfer starten wir unsere Safari und begeben uns hinein in die Wildnis.

Es ist aufregend, sich im Lebensraum wilder Tiere zu bewegen. Wir sehen zahlreiche Spuren der Dschungelbewohner und werden vom Guide immer wieder ermahnt, uns unauffällig zu verhalten, da wir quasi durch das Wohnzimmer der Tiere marschieren.

Frische Spuren im Dschungelsand

Wir sehen frische Bärenspuren, abgeknickte Büsche, an denen Elefanten sich gerieben haben und entdecken an einem kleinen Flüsschen die Abdrücke eines Tigers, der erst kurz vorher hier getrunken haben muss. An einem Baumstumpf zeigt uns der Guide frische Kratzspuren und reicht mir ein Tigerhaar. Wie elektrisiert nehme ich es an mich, überlege kurz, ob ich es essen soll, um dem Tiger noch näher zu sein, entscheide mich dann aber dafür, es mit den anderen zu teilen und weiterzugeben. Es ist weiß und fester als gedacht, vermutlich vom Schnurrbart und daher etwas stachelig.

Als wir auch noch ein frisches Tiger-Häufchen erkennen, klopft mein Herz bis zum Hals: so nah war ich noch nie dran an einem wilden Tiger. Zu wissen, dass er da draußen irgendwo lauert, sich womöglich nur einen Meter entfernt im nächsten Busch vor uns versteckt, lässt unsere Herzen höher schlagen.

Kaum haben wir den Tiger hinter uns gelassen, erwartet uns schon die nächste Aufregung: direkt neben uns am Uferrand des Flüsschens sonnen sich Krokodile. Eines verschwindet schnell unter Wasser und wir fragen uns, ob es wohl mit geöffnetem Maul ein paar Meter weiter nur darauf wartet, dass wir einen falschen Schritt machen?

Zu unserer Überraschung fordert uns der Guide kurz danach auf, die Hosen hochzukrempeln und durch den Fluss zu waten. Äh, und die Krokodile? Kein Problem, das Wasser ist hier zu seicht für die. Nun gut, er muss es ja wissen. Gesagt, getan. Mit klopfendem Herzen durchwaten wir den Fluss und kommen alle heile und vollzählig am anderen Ufer an.

Dort wandern wir zwischen hohen Gräsern und Büschen weiter, bis uns der Guide ein Zeichen gibt. Wir halten den Atem an und lauschen auf die vielstimmigen Geräusche des Dschungels. Wir schleichen wie eine Katze weiter, dann gibt der Guide erneut ein Zeichen. Vor uns stehen drei Nashörner und mampfen genüsslich frisches Gras. Schritt für Schritt schleichen wir uns näher heran, um Fotos zu machen.

Da vergisst einer den Katzentritt und stapft auf einen Ast. Das Geräusch zerreißt die Stille wie ein Schuss. Ein Nashorn wackelt nervös mit den Ohren und blickt genau in unsere Richtung. Der Guide fuchtelt wild, und wir rasen wie aufgeregte Hühner davon, einer verläuft sich, zwei rennen in die falsche Richtung, eine andere schießt Fotos. Nach einer Weile, als wir uns in sicherer Entfernung wieder gesammelt haben, zählt der Guide unsere Vergehen auf: alle haben so ziemlich alles falsch gemacht. Betreten grinsen wir uns an: nochmal Glück gehabt. Vermutlich grinst auch das Nashorn zufrieden, hat es sich doch keinen Zentimeter bewegt und doch die Eindringlinge verscheucht.

Der Dschungel brennt

Schließlich begeben wir uns auf den Rückweg und bemerken, wie schwarzer Rauch aufzieht. Um uns herum knackt der Dschungel und lodert lichterloh, eine wabernde Flammenwand frisst sich bedrohlich näher.

Wieder Herzklopfen: was ist los? Der Guide beruhigt uns, dass der Dschungel kontrolliert abgebrannt wird, um das trockene Gestrüpp loszuwerden und dem Dschungel zu erlauben, frisches Gras und neue Triebe für die Tiere wachsen zu lassen.

Daher ist auch jetzt die beste Zeit für einen Dschungelbesuch, weil ansonsten das Gras so hoch steht, dass man überhaupt keine wilden Tiere entdecken kann.

Option Nr. 2: Elefantenspaziergang

Für die meisten Touristen aus China, Indien oder Nepal gehört ein Ritt auf dem mächtigen Elefanten noch zur Vorstellung von einer ordentlichen Safari, auf der Jagd nach dem besten (Schnapp-)Schuss. Wenn aber ein vollbesetzter Safari-Jeep für alle sichtbar zur Elephant Happy Hour fährt, sehen die Einheimischen, dass es sich lohnt, die Tiere anders zu behandeln.

Wir treffen Florine und Michael von StandUp4Elelephants, die uns erklären, wie wir uns im Angesicht eines Elefanten verhalten sollen. Ruhig auf ihn bzw. sie zugehen, keine hektischen Bewegungen, nicht übermäßig tätscheln und vor allem nicht unvermutet aus dem toten Winkel des Tieres auftauchen, schon gar nicht von hinten anfassen. Keine Selfies machen und ihr dabei den Rücken zukehren. Wenn wir ihr Leckerlis reichen, mit offener Hand darbieten, am besten direkt auf das vordere Ende des Rüssels legen. Alles klar.

01Als wir auf dem Gelände ankommen, von wo aus normalerweise der Elefantenritt beginnt, nähert sich die Elefantendame Rupakali zutraulich. Sie weiß, dass wir zu den good guys gehören und sie mit leckerem Essen und Streicheleinheiten verwöhnen werden.

Normalerweise muss Rupakali bis zu 10 Mal am Tag fünf oder sechs Touristen auf ihrem Rücken durch den Dschungel befördern. Elefanten können zwar sehr gut schwere Gegenstände bewegen, sind also gut als Arbeitstiere einsetzbar, allerdings sind sie nicht geschaffen dafür, als Lasttiere genutzt zu werden. Daher nennen Florine und Michael ihr Programm auch „Elephant Happy Hour“, weil Rupakali eine Stunde lang machen kann, was sie will.

Schnell finden wir heraus, was sie am liebsten hat: frische Bananen. Was sie nicht so gern mag, wie etwa Zucchini oder Rüben, legt sie beiseite, um sie später zu vernaschen.

Dann marschiert sie lässig in ein Gehege, das vom restlichen Dschungel abgetrennt etwa so groß ist wie ein Fußballfeld. Dort beginnt ihre Happy Hour: sie besprüht sich ausgiebig mit Staub, räkelt sich an einem Baum, so dass der ganze Dschungel wackelt und reibt die trockene Haut an einem Busch.

Wer hat Angst vor dem Elefantenbaby?

Plötzlich kommt Panik auf. Eine Elefantendame mit Touristen auf dem Rücken rennt wild trötend auf uns zu: wenn fünf Tonnen mit 50km/h auf dich zurasen, nimmst du besser Reißaus. Wir schlagen uns in die Büsche, bis wir das Zeichen zur Entwarnung erhalten. Grund für die Panik: ein kleines Elefantenbaby, das von Rupakali adoptiert wurde, hat seine neue Mama mit der anderen Elefantendame verwechselt und war auf sie zugestürmt. Allerdings hat ausgerechnet diese Elefantendame Angst vor Elefantenbabies und wollte bei Rupakali Schutz suchen. Diese blieb von der ganzen Aufregung völlig ungerührt und kratzte sich weiter an ihrem Busch, bis die Lage sich wieder beruhigt hatte.

Wir beobachten, wie sie sich genüsslich an einem Baum reibt und dabei einen sonoren Laut von sich gibt, als würde sie schnurren. Nun begreifen wir, was happy hour für Rupakali bedeutet: völlige Entspannung.

Während die Elefantendame putzig den Augenblick genießt, erfahren wir allerhand Hintergrundinfos von Florine und Michael. Etwa, dass die Hälfte der Safarielefanten illegal sind, weil offiziell nur die Regierung Elefanten halten darf. Diese drückt jedoch ein Auge zu, weil die Betreiber trotzdem die Gebühr für den Nationalpark entrichten müssen und sie somit auch ein Geschäft macht.

StandUp4Elephants verfolgen ein disruptives Modell: sie könnten den Elefant auch kaufen, doch dann würde eben ein anderer Elefant auf Safari gehen müssen. Sie jedoch zahlen für die Elephant Happy Hour ebenso Miete an die Besitzer für Rupakali, nur dass sie für ihr Geld in der Zeit eben nicht durch den Dschungel laufen muss, sondern bezahlte Freizeit hat. So tritt ein Lerneffekt und eine langsame Veränderung ein: Die Einheimischen sehen, dass man trotzdem mit dem Elefanten Geld machen kann und alle sind glücklich – die Touristen, die Besitzer und vor allem: die Elefanten!

 

 

Tanzend in die Zukunft

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Das Leben in Nepal ist hart. Die Menschen mögen arm sein, vielleicht ungebildet, rückständig leben. Und doch haben sie etwas, das sie unendlich reich macht.

Lächeln ist Trumpf

Alle Straßen führen in Nepal zu einem Lächeln. Wer die staubigen Wackelpisten hinter sich gelassen hat, trifft überall auf strahlende Gesichter. Über die Einweihung ihrer wiederaufgebauten Schule in Bhag freuten sich nicht nur die Schüler, auch wir wurden reich beschenkt.

Neue Schule für das Dorf

Die Kinder kicherten in heller Vorfreude und wuselten aufgeregt auf dem Gelände umher. Scheu und doch interessiert an den Gästen aus der Hauptstadt, versteckten sie sich hintereinander und drängten dabei Schritt für Schritt näher, um zu beobachten, wie der große weiße Mann mit seinem Gefolge die Schule inspizierte.

Währenddessen gab ein Künstler den frisch gestrichenen Wänden mit nepalesischen Symbolen wie dem Rhododendron den letzten Schliff, in einem hinteren Raum wurde eine Generalprobe durchgeführt, dann endlich begann die Zeremonie.

Aber ach, erst einmal hieß es stillsitzen, bis die zahlreihen Würdenträger ihre ausufernden Lobesreden gehalten hatten. Das ganze Dorf war zusammengekommen, um der Einweihung der neuen Schule beizuwohnen. Sie lauschten geduldig den nicht enden wollenden Reden, welche durch einen falsch eingestellten Verstärker so schrill und verzerrt kreischten, dass die Ohren schmerzten.

Tanz statt vieler Worte

Schließlich kam der große Auftritt der kleinen Mädchen. Geschminkt wie die Kumari, die lebende Göttin, mit roten Lippen, dem roten Tika auf der Stirn und bis zu den Schläfen schwarz verlängerten Augenlidern, in schillernd roten Kostümen, gaben sie einen Tanz zum Besten, der den Bauverlauf mit allen Schwierigkeiten wiederspiegelte.

In geschmeidigen Bewegungen machten sie deutlich, was all die langen Reden vorher nicht rübergebracht hatten: Jeder konnte ohne Worte nachvollziehen, dass erst eine feste Mauer gebaut werden musste, um den Hang vor Erdrutschen zu schützen, wie schwierig der Transport des Baumaterials auf der rutschigen Straße im Monsun war und wie sehr sich die Kinder über die neue Schule freuten.

Nach dem Tanz führte die Schultheatergruppe ein selbst ausgedachtes Stück auf, das wichtige Themen spielerisch aufgriff wie gesunde Ernährung, richtige Hygiene durch Händewaschen und sogar Familienplanung. Ein Spiel, bei dem sicherlich die Erwachsenen noch von den Kindern lernen konnten.

Mit der Übergabe der neuen, erdbebensicheren Schule bekommen die Kinder des Dorfes ihre Chance auf Bildung und damit die Hoffnung auf einen Weg aus der Armut. Hoffen wir, dass sie dabei niemals ihr Lächeln verlieren.

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Farbenmeer in der Wüste

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Wer in die Wüste reist, denkt an Dürre und Staub. Doch wir ahnten schon, da gibt es noch mehr. Was würde uns wohl beim Wüstenfestival in Jaisalmer erwarten?

Incredible India – das Motto ist Programm

Angekommen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi fühlen wir uns wie Aschenputtel in der Großstadt. Der indische Standard dieser Megacity mit rund 17 Millionen Einwohnern erscheint nach Nepal geradezu luxuriös: wir staunen über aalglatte Straßen, Straßenschilder und Laternen, Ampeln, moderne Autos auf der Autobahn, ein weit verzweigtes U-Bahn-Netz, am Straßenrand Springbrunnen mit farbiger Beleuchtung … Alles glänzt so schön neu. Nur leider ist die Luft noch schlimmer als in Kathmandu, dafür gibt’s elektrische Warnhinweise.

Eine Armada aus Tuk-tuks steht bereit, alle einheitlich in gelb-grün. Dazwischen bunte Fahrrad-Rikschas und Leiterwagen. Ein harter Kontrast zwischen uralten Traditionen und modernem Lifestyle, Wohlstandsbäuchen und abgewetzten Träumern auf der Straße.

Eine bettelnde Frau mit Baby im Arm klopft an die Scheibe unseres Taxis und wir stehen vor der schwierigen Frage, ob und wie viel man geben möchte.

Selfiefieber

Der Hüter der Roten Moschee ist ein harter Knochen. Da wird heftig verhandelt. Er verlangt Eintritt plus Gebühr für jede einzelne Kamera – auf dem Telefon, Fotoapparat und Laptop. Doch wir lassen uns nicht darauf ein und verhandeln nepalesisch – einfach weitergehen. Schließlich finden wir einen Kompromiss und unser Lächeln wieder.

In der Moschee schauen wir uns um und stellen fest: Selfies mit Blondie sind total angesagt. Auch der Lange ist ein beliebtes Motiv. Bereitwillig grinsen wir in fremde Kameras und landen als Souvenir auf indischen Familienfotos. Im Austausch erhaschen wir Schnappschüsse von den Einheimischen.

Über uns am Himmel kreisen Schwärme von Falken wie anderswo Tauben.

Am nächsten Tag setzen wir uns in die Bahn und tuckern im Schlafwagen nach Jaisalmer.

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Die goldene Stadt

Siebzehn Stunden und achthundert Kilometer später erreichen wir Jaisalmer, die goldene Stadt im Westen Rajastans. Den Beinamen trägt sie wegen ihrer Sandsteinhäuser, die im Sonnenlicht goldgelb leuchten.

Schon von Weitem verfängt sich der Blick am imposanten Fort, dem Wahrzeichen der Oase am Rande der Wüste Thar. Rund 4.000 Familien leben in der Festung, es ist das einzige noch voll bewirtschaftete Fort des Landes. Früher diente es als wichtiger Knotenpunkt auf der alten Seidenstraße für Karawanen auf dem Weg nach Pakistan. Heute leben die 65.000 Einwohner der Stadt vor allem vom Tourismus, dem Verkauf der berühmten Sandsteine und Strom aus den Windparks, die den Horizont säumen.

Im Farbrausch

An drei Tagen im Jahr verspricht das Wüstenfestival ein einzigartiges Spektakel. Zum Auftakt zieht eine Parade aus übervoll verzierten Kamelen, Wüstenprinzessinnen in bunten Saris, wilden Tänzern und majestätischen Bartträgern durch die engen Gassen.

Die ganze Stadt vibriert. Gesang und Getrommel, Tröten und Flöten, alles glitzert und schimmert, dazwischen das hartnäckige, durchdringende Gehupe der Tuk-tuks. Schrill und doch melodisch erklingen die Flöten, untermalt von hypnotischem Trommelwirbel und Paukenschlägen, die den ganzen Körper schwingen lassen.

Ein magischer Kanon erfüllt die Herzen, wirbelt im Wind und sendet Lebensfreude weit über die Wüste Thar hinaus in die Welt.

Mr. Desert und die Wüstenprinzessin

Das Festival-Programm gleicht einer Zeitreise. Kaum ist das schönste Kamel gekürt, halten wir den Atem an beim Kamel-Polo, feuern die Teilnehmer des Turban-Wickel-Wettbewerbs an und jubeln Mr. Desert zu, dem Mann mit dem schönsten Schnurrbart. Wie bei jedem Schönheitswettbewerb muss der Bewerber einige Kriterien erfüllen, um gewählt zu werden. Neben der traditionellen Kleidung und dem perfekt gebundenen Turban zählt auch der Gesamteindruck. Alles in allem muss er der perfekte Repräsentant für Jaisalmer und die Wüste sein. Einen imposanten Bart zu tragen hat in Indien eine lange Tradition und gilt als Zeichen von Männlichkeit. Auch deshalb tragen die Männer aus Rajasthan ihre wohlgepflegten Bärte mit Ernsthaftigkeit und Stolz zur Schau.

Schließlich entdecken wir noch eine exotische Sportart: Damen-Wrestling. Hui!

Am Abend tanzen im Mondlicht prächtig gekleidete Wüstenprinzessinnen zu Schlangenbeschwörermusik und singen Lieder aus Tausendundeinernacht.

Wie die Derwische verlieren wir uns in einem Rausch aus Farben und Klängen und fragen uns – ist es eine Fata Morgana, oder baden wir in einem Farbenmeer?

Herzlichen Dank an unseren Freund und besten Schweizer Reiseführer der Welt, Andreas Bold, der uns auf die Idee gebracht und die wunderbare Reise ermöglicht hat!

Coole Roboterhand

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Die meisten Unfälle passieren zu Hause. Ist es nicht praktisch, dass man sich heutzutage eine Prothese ganz einfach aus dem 3D-Drucker holen kann?

Was sich wie Science Fiction anhört, ist hier in Nepal bereits Realität. Die smarten Jungs von Disaster Hack machen genau das: sie drucken 3D-Prothesen für hilfsbedürftige Menschen.

Nehmen wir die Geschichte von Sabita, einer jungen Frau aus Kathmandu. Eines Tages war sie gerade beim Wäscheaufhängen, als sie versehentlich ein unter Strom stehendes Kabel berührte und ein Stromstoß von über 1000 Volt ihre beiden Arme abtrennte. Nachdem sie den Unfall überlebt hatte, kam der Schock: Sabita hatte nicht nur beide Arme verloren, sondern auch ihr Selbstvertrauen und all ihre Hoffnungen auf Verwirklichung ihrer Träume.
Und dann kam sie zu Disaster Hack. Dort hat sie zwei Prothesen aus dem 3-D Drucker erhalten und zugleich neue Hoffnung geschöpft.

Was ist Disaster Hack?

Nachdem Matt Rockwell die beiden großen Erdbeben überlebt hatte, gründete er Disaster Hack, eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, insbesondere jungen Menschen in Entwicklungsländern durch die Anwendung neuer Technologien und Innovationen einen Weg aus der Armut zu weisen. Konkret sollen sie befähigt werden, durch technische Fähigkeiten Einnahmen zu generieren und so Einfluss auf die ökonomische Entwicklung ihres Landes zu nehmen. Sie lernen beispielsweise wie sie selbst eine Website für ihre Schule basteln, um damit Spendengelder einzuwerben.

Ein Fachgebiet ist das 3D drucken. Disaster Hack ist die erste Organisation, die jemals einen 3D-Drucker ins Land gebracht hat. Zwischenzeitlich wurden Kooperationen mit Krankenhäusern und weiteren Organisationen geschlossen und ein wesentlicher Beitrag für ganz Nepal geleistet.

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Wie funktioniert das mit den 3D-Prothesen?

Theoretisch habe ich verstanden, was mir Gründer Matt da erzählte, aber so richtig glauben konnte ich es trotzdem nicht. Also habe ich mir die Sache mal genauer angeschaut und im Ignition Lab, dem Disaster Hack Büro im Kellergeschoss der altehrwürdigen Tribhuvan Universität, an einem 3D-Printing Workshop teilgenommen.

Im Prinzip ist es ganz einfach: man lade die entsprechende Software wie etwa MeshMixer herunter, bearbeite darin das zu druckende Objekt (Größe, Farbe, Dichte des Materials etc.), speichere die Daten auf einer SD-Karte und schließe diese an den 3D-Drucker an. Der druckt dann in übereinanderliegenden Schichten das gewünschte Objekt aus. Fertig ☺
Okay, bis die neue 3D-Hand einsatzbereit ist, wird es noch ein kleines bisschen komplizierter, aber die technischen Details muss dann ein Fachmann erklären. Da die jeweiligen Prothesen individuell angepasst werden müssen, und der Druckvorgang nicht nur stundenlang dauert, sondern dabei auch sehr viel Energie verbraucht, taugt der 3D-Druck nicht für die Massenproduktion. Doch insbesondere für Krankenhäuser ist diese Innovation bahnbrechend.

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Noch sehen die Prothesen sehr roboterhaft aus. Ältere Patienten wünschen sich daher lieber menschlich aussehende Modelle. Doch Matt erzählte mir, dass die Kids gerade das cool finden: „Hey, sieh mal meine coole Roboterhand!“. Damit gewinnen sie mit ihren Prothesen nicht nur neues Selbstvertrauen, sondern auch ein Vertrauen in innovative Technologien. Das ist die Zukunft!

Yeah!

Im Jahresbericht von Disaster Hack sind die wichtigsten Ziele und Erfolge kurz und knackig beschrieben. Eine wirklich weltbewegende Organisation!

Winter ohne Heizung

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Wie überlebt man den nepalesischen Winter ohne Heizung?

Wenn Flüsse gefrieren, Bäche eine glitzernde Eisdecke tragen und der Amtsleiter in Manang lieber den ganzen Tag im Bett bleibt, dann erleben wir die härteste Zeit des Jahres.

Dort in Manang, in Zentralnepal, kämpfen sie mit eisigen Temperaturen um -16 Grad. Bei uns in Kathmandu verzeichnen wir tagsüber 15ºC und nachts zwei Grad.

Wie hierzulande üblich, gibt es in unserem Haus keine Heizung. Wo es nur zwei Monate im Jahr so richtig kalt wird, ist diese auch eigentlich nicht nötig. Was also tun bei der Kälte?

Zunächst versuchen wir es mit dem Zwiebellook. Wir ziehen einfach alle zur Verfügung stehenden warmen Klamotten an: Merinoleggins, langärmeliges Merinounterhemd, dicke Merinosocken, Kaschmirpulli, Jeans, wattierte Weste und wickeln uns in eine Kaschmirdecke.

Pashmina aus Nepal

Warum betone ich dabei die Wollart? Nun, in Nepal bekommt man insbesondere Kaschmirprodukte zu einem relativ günstigen Preis. Angepriesen als „Pashmina“ denkt der Laie, es handele sich dabei um eine spezielle Wollart. Ist es aber nicht. Pashmina ist eine reine Handelsbezeichnung, vornehmlich für breite Schals, die meistens aus Kaschmir, oder aber auch aus allen möglichen Fasern hergestellt werden. Die guten Geschäfte verkaufen Qualitätsware aus Kaschmirwolle oder als Gemisch mit Schafs- oder Yakwolle.

Um die echte von der synthetischen Wolle zu unterscheiden, gibt es einen Trick: einfach einen Faden ziehen und ein Feuerzeug darunter halten. Bei der Kunstwolle stinkt es sofort nach Plastik. Falls der Händler keine echte Ware anbietet, wird er schon bei der Andeutung einen Schreck kriegen und lieber gleich die guten Schals zeigen, sofern vorhanden.

Bei S.K. Pashmina, dem Kaschmirhändler meines Vertrauens in Thamel, gibt es kuschelige Ware, eine ausführliche Beratung und heißen Tee.

Eingepackt in die Wollhaut setze ich mich in die Sonne – zum Glück scheint sie jeden Tag. Unsere Wohnung ist so geschnitten, dass die Sonnenstrahlen mit mir von Raum zu Raum wandern: erst im Schlafzimmer, zum Frühstück im Esszimmer, das Wohnzimmer leuchtet bis zum Sonnenuntergang.

Auch meine Nachbarn nutzen die Kraft der Sonne. Sie kauern am Straßenrand und lassen die Wärme auf sich wirken.

Überhaupt findet das Leben hier größtenteils auf der Straße statt. Da werden Gewürze gemahlen, Chilis getrocknet oder Büffel geschlachtet. Das Baby massiert, Haare gelaust oder Omas Fußnägel geschnitten.

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Bester regionaler Tee in Exportqualität

Damit ich auch meine innere Heizung auf Touren bringe, gehe ich auf dem Laufband joggen und trinke viel frischen Ingwertee mit Zitrone und Honig oder eine der regionalen Teesorten.
Denn in Nepal gibt es ausgezeichnete Tees. Sie kommen in hübsch geschnitzten, kleinen Holztruhen daher.

Die Qualität ist so gut, dass die Tees meist nach Indien exportiert und dem Darjeeling beigemischt werden.
Mittlerweile gibt es auch einige selbstbewusste Hersteller, die von ihrer Qualität so überzeugt sind, dass sie ihre Ware besser vermarkten und als Spitzentee aus Nepal präsentieren.

Einige pfiffige Leute sind auch schon auf die Idee gekommen, westlichen Touristen, ähnlich wie in Australien, eine Art „work and travel“ anzubieten und diese auf ihren Teeplantagen arbeiten zu lassen – wobei die Freiwilligen sogar umgerechnet rund fünf Dollar pro Tag dafür geben, dass sie dort pflücken und so ganz authentische Erfahrungen machen dürfen.

Für einen heißen Adrenalinschub sorgen auch immer wieder die nepalesischen Verhältnisse. Etwa, wenn von 10 Geldautomaten kein einziger funktioniert, oder wenn in der gewohnten Reihenfolge das Wasser, das Internet und der Strom ausfallen. Aber das kennen wir ja bereits.

So richtig warm um’s Herz wird es mir auch, wenn ich im Geschäft vor einem leeren Regal stehe, wo beispielsweise die scharfen Bananenchips liegen sollten. Auf Nachfrage blickt mich die Verkäuferin verständnislos an, als habe es die niemals gegeben.

Einfach cool bleiben und Tee trinken. Der würzige Masala-Tee (Chai) ist übrigens besonders lecker und wärmt auch von innen. Er besteht aus Schwarztee mit einer Gewürzmischung aus Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat, Kardamom, Pfefferkörnern und Lorbeerblättern. Er wird gewöhnlich mit Milch und Zucker getrunken.

Wenn der Tee nicht hilft, muss selbst gemachter Glühwein her. Dazu nimmt man den echt guten indischen Rotwein (überraschende Entdeckung: Shiraz von Sula), eine Sternanis aus Goa, drei indonesische Nelken und zwei Stangen Ceylon Zimt, eine in Scheiben geschnittene Orange und gibt etwas nepalesischen Honig hinzu. Das Ganze erhitzen (nicht kochen), dann eine Stunde ruhen lassen, wieder erwärmen und heiß genießen.

Eiskalte Bilanz: 15 Tote durch Erfrieren

Sobald die Sonne untergeht, kommt auf die dicke Schicht eine weitere Lage hinzu: Fleecejacke, Bommelmütze und Kaschmirschal. Und weil wegen der Kälte auch das Nachtleben zum Erliegen kommt, hüllen wir uns in mehrere Lagen zentimeterdicker Decken und gehen früh ins Bett.

Ein Platz an der Sonne

Was aber machen die Nepalesen, wenn es nachts kalt wird? Sie schüren ein Feuer aus Unrat und Holz, stellen sich darum und wärmen einander. Oder sie entfachen ein Feuer in der Wohnung. Dabei kommt es leider häufig zu Verbrennungen oder Vergiftungen durch Kohlenmonoxid.

Auf dem Lande ist das Leben noch härter und so gibt es in diesem Winter bereits 15 erfrorene Menschen zu beklagen. Die Regierung hat nun ein Notfallprogramm gestartet und gibt Decken, Feuerholz und andere Hilfsgüter aus.

Wenn die Vorhersagen stimmen, soll es bereits nächste Woche etwas wärmer werden. Lasst uns die eiskalten Daumen drücken!

Verblüffender Wahltag

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Wenn es zu Wahlen kommt, zeigt Nepal ein neues Gesicht. Angst und Schrecken werden verbreitet, um Wähler einzuschüchtern oder gar die Wahlen zu verhindern. Wie würden wohl die ersten Parlamentswahlen unter einer neuen Verfassung in Nepal ausgehen?

Dass die Nepalesen nicht immer so friedlich sind, ist mir klar, schließlich gab es hier einen zehnjährigen Bürgerkrieg. Dennoch wollte ich an eine Bedrohung nicht so recht glauben. Und doch blieben wir am gestrigen Wahltag zu Hause und sollten das Haus nicht verlassen, weil es auf den Straßen zu Ausschreitungen kommen könnte.

In den vergangenen Tagen und Wochen vor den Wahlen, die gestern stattfanden und auf lokaler Ebene bereits Ende November, gab es immer wieder Bombenanschläge und Schießereien. Unheimlich wirkten die Konvois unterschiedlicher Parteien, die selbst in unserer kleinen Nebenstraße mit kreischenden Lautsprechern und vermummten Männern darauf vorbeirasten. Diese ließen auch abends um halb neun noch die Propagandamaschinerie ihre Parolen abspielen.

Das Militär, mit Maschinengewehren im Anschlag auf den Straßen patrouillierend, sollte für Sicherheit sorgen. Bei mir hinterließen sie ein mulmiges Gefühl.

Am Wahltag also verbargen wir uns zu Hause. Wir sollten Menschenansammlungen vermeiden, wurde uns empfohlen. Auch in den letzten Tagen war ich darauf hingewiesen worden, bei geringsten seltsamen Anzeichen das Weite zu suchen.

Bei leuchtendem Sonnenschein überlegte ich, wie dunkel doch manche Seelen sein müssen, hier Terror zu verbreiten.

Großes Staunen am Nachmittag

Am Nachmittag wollte ich es dann aber doch wissen und schnappte mir mein Fahrrad.

Bei einer Wahlstation standen hunderte Menschen Schlange. Ein großer Andrang ergoss sich über eine breite Hauptstraße. Dort fuhr ich schnell vorbei, wunderte mich aber darüber, dass die vielen Menschen sich so ungestört ausbreiten konnten.

Was ich dann auf den Straßen erlebte, raubte mir schier den Atem.

Keine Autos, keine Mopets, keine stinkenden Busse. Absolut kein Verkehr. Die Menschen flanierten mitten auf den Straßen, Kinder mit Dreirädern eroberten die Fahrbahn, sie spielten Badminton oder Ball, nur Rikschafahrer, fröhliche Menschen, Kühe und Hunde unterwegs. Ab und zu Ambulanzfahrzeuge, für den Fall der Fälle.

An einer Kreuzung, wo ich normalerweise Minuten brauche, um auf die andere Seite zu gelangen: nur zwei Schutzmänner. Die vollgestopfte Hauptverkehrsader Lazimpat: wie leergefegt. Ich erlaubte mir den Luxus, mit meinem Fahrrad freihändig in der Mitte zu fahren.

Und dann die Luft: so klar und rein, man konnte selbst die schneebedeckten Gipfel des Himalaya mitten in der Stadt erkennen. Kein Lärm, keine Abgase, kein Staub. Es fühlte sich an wie in einer anderen Zeit.

Der Wahltag endete friedlich in einer surreal leeren Stadt.

Am nächsten Tag war der Zauber vorbei und die lauten Fahrzeuge überfluteten wieder die Straßen. Die Ergebnisse der Wahlen sollen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Vielleicht gibt es ja Neuwahlen?

 

 

Am Mount Everest

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Ich hielt ihn schon oft in den Händen, hatte ihn aber noch nie mit eigenen Augen gesehen: den Mount Everest. Abgebildet auf jedem Geldschein in Nepal, kannte ich seine Form genau. Wie er wohl in Wirklichkeit aussehen mochte?

Wenn man schon mit dem höchsten Berg der Welt in einem Land lebt, kann man ihn ja auch mal anschauen. Also machten wir uns auf den Weg zum legendären Mount Everest Trek nach Solukhumbu.

Nervenkitzel am gefährlichsten Flughafen der Welt

Der schnellste Weg dorthin ist ein Flug mit einer Propellermaschine von Kathmandu ins rund 140 Kilometer entfernte Lukla. Dort landet man mit etwas Glück heil auf einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Weil sich die Wetterverhältnisse in den Bergen blitzschnell ändern können, ist die Ankunft längst nicht gewiss. Und so mussten auch wir unser Abenteuer um einen Tag verschieben, nachdem der Flug wegen schlechten Wetters nach acht Stunden Wartezeit gestrichen wurde.

Am nächsten Tag ging alles gut und nach nur 25 Minuten Flugzeit landeten wir auf der kürzesten Start- und Landebahn, die ich jemals gesehen habe: nur 500 Meter lang ist die Piste, die an der einen Seite von einer Schlucht, an der anderen von einer Felswand begrenzt wird. Und dann ist man auch schon mitten im Himalaya auf 2.840 Metern. Kaum ausgestiegen, vollführten wir erst mal einen Freudentanz mit Tränen in den Augen: die erste Hürde überlebt!

Nun lagen rund 130 Kilometer Fußmarsch und über 2.000 Höhenmeter vor uns. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie wir diese Aufgabe bewältigen würden. Also machten wir uns einfach auf den Weg. Wir, das waren unser Guide Om, der aus der Gegend stammt und die Strecke in- und auswendig kennt, unser ungarischer Freund und Sportskanone Istvan, seine Schulfreundin Anita, die extra aus Budapest angereist kam und natürlich der Liebste und ich.

Zunächst ging es von Lukla dreieinhalb Stunden rund 200 Meter abwärts nach Phakding, wo wir eine Mittagspause einlegten: Ingwertee als Fitnessgetränk und Knoblauchsuppe zur Vorbeugung gegen Kopfschmerzen. Nach der Stärkung latschten wir drei Stunden und über 200 Meter aufwärts nach Monjo. Am nächsten Tag hieß unser Etappenziel Namche Bazaar, das auf 3.440 Metern liegt und uns zwei Tage zur Höhenakklimatisation beherbergen sollte.

Mount Everest mit eigenen Augen sehen

Auf dem Weg nach Namche begegneten uns glöckchenverzierte Pferdchen, bunte Vögel und Schmetterlinge, und vollbeladenene Yaks, die zähen Lasttiere. Nach der Überquerung einer schlingernden Seilbrücke über einen rauschenden Gebirgsfluss drehten wir uns um und wer stand da? Der Mount Everest! Weiß leuchtend vor märchenblauem Hintergrund, schimmerte der bekannte Buckel wie aus dem Bilderbuch, aber mit eigenen Augen betrachtet einfach phänomenal.

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Akklimatisation

Nach dem steilen Aufstieg freute ich mich schon auf die Akklimatisationstage in Namche. Doch Akklimatisation bedeutete nicht, wie ich dachte, dass man zwei Tage auf der faulen Haut liegt, sondern weiter nach oben marschiert und dann wieder runter, um den Körper an die Höhe und damit verbunden weniger Sauerstoff in der Luft zu gewöhnen. Also stiegen wir 440 Meter auf, um bei 3.880 Metern im höchsten Hotel der Welt Rast zu machen.

Auf dem Weg nach oben spürte ich das erste Mal die Auswirkungen der knappen Sauerstoffzufuhr auf meinen Körper: So laaaangsaaaam hatte ich mich noch nie bewegt. Wie in Zeitlupe setzte ich einen Schritt nach den anderen, Stufe für Stufe, in einem mir unbekannten, schneckenhaften Tempo. Ein wenig surreal, wenn man sich plötzlich nicht mehr wie gewohnt fortbewegen kann.

Nach gut zwei Stunden oben angekommen, hatten wir einen grandiosen Ausblick auf den Mount Everest (8.848 m) mit seinen kleinen Brüdern Lhotse (8.516 m), Nuptse (7.861 m) und Ama Dablam (6.814 m).

So ging es dann in den nächsten Tagen: Aufstieg, Pause, weiterer Aufstieg, zurückgehen, um den Körper an die Höhe zu gewöhnen. Wir durchquerten Täler, hangelten uns an mit Gebetsfahnen geschmückten Seilbrücken entlang, stolperten über Felsen und umrundeten im Uhrzeigersinn kleine Chörten (Stupas).

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Wir standen früh auf, um das gute Wetter auszukosten, denn hier oben gilt die Daumenregel: vormittags scheint die Sonne, ab Mittag ziehen Wolken auf und nachmittags verstecken sich die Berge. Und wir hatten jeden Tag Glück und konnten den Everest und die umgebenden Gipfel aus verschiedenen Blickwinkeln bewundern.

Je weiter wir kamen, desto höher stiegen auch die Preise, denn alles wird von Lastenträgern, Yaks oder, ganz exklusiv, mit Helikoptern von Lukla aus nach oben befördert. Es gibt nur bucklige Geröllwege nach oben. Om erzählte, dass manche Einheimische gar nicht wüssten, wie Autos aussehen. Sie kennen nur den Flugverkehr in Lukla.

Am fünften Tag ruhten wir uns gerade in einem kleinen Dorf auf 4.000 Metern aus, als ein kleiner Yak Bulle um die Ecke geschossen kam, meinen roten Rucksack mit seinen Hörnern packte, wild umherbockte, die Beute abschüttelte und wieder davon raste. Das alles geschah in wenigen Sekunden und ehe ich realisierte, was er da in die Mangel nahm, war er schon wieder verschwunden. Lektion daraus: auch kleine Yakse reagieren auf Rot! Von da an versteckte ich meinen Rucksack unter der gelben Regenhülle. Wie ich erfahren habe, reagieren auch Tiger auf rot. Aber die gab es in der Gegend nicht, sonst hätte ich es darauf ankommen lassen 🙂

Mantra für den Weg zur Erleuchtung

Den Everest fest im Blick, stapften wir jeden Tag immer weiter und höher. Als wir in Dughla auf 4.620 Metern ankamen, standen wir vor der bisher größten Herausforderung: den Thokla Pass bewältigen, über 200 Meter steil nach oben. Die Gegend war bereits unwirtlich: uns umgaben nur noch Steine und Geröll, durchbrochen von einem schäumenden Fluss, über den eine wacklige Holzbrücke führte. Hier oben lernte ich die wichtigste Lektion: nicht nach oben schauen! Also konzentrierte ich mich nur auf den nächsten Meter vor mir, bewegte mich ganz langsam, in kleinen Schritten. Es war verdammt anstrengend und ich fragte mich, was zum Teufel ich hier oben wollte? Einmal blickte ich doch nach oben und hätte am liebsten angefangen zu heulen. Wie sollte ich diesen verdammten Pass schaffen? Da besann ich mich des allgegenwärtigen Mantras: Om mani padme hum. Es ist das Mantra des tibetischen Buddhismus für den Weg zur Erleuchtung, erklärte mir Om. Überall auf dem Weg fand ich es in Steine gehauen, auf Gebetstafeln und an Wände gemalt. Ich ersann mir meine eigene Melodie und sang es leise vor mich hin. Und siehe da: es half! Das Mantra trug mich nach oben. Eineinhalb Stunden brauchte ich für den Aufstieg. Überwältigt von meinen Gefühlen, brach ich oben angekommen vor Freude und Erleichterung, aber auch vor Anstrengung in Tränen aus. Als ich mich wieder gesammelt hatte, blickte ich mich um. Dort oben am Thokla-Pass erinnern zahlreiche Gedenksteine an die am Mount Everest tödlich verunglückten Bergsteiger.

Nach dem Pass veränderte sich die Landschaft wieder. Nun waren wir im Hochgebirge angelangt. So eine karge Umgebung hatte ich noch nie gesehen. Staubige Schotterwege, flechtenüberwachsenes Geröll, keine Bäume mehr. Wie auf dem Mond. Schließlich kamen wir in Lobuche an, auf 4.910 Metern. Am Nachmittag unternahmen wir dann einen leichten Nachmittagsspaziergang auf 5.000 Metern. Es fühlte sich kaum anders an als sonst. Nur meine verlangsamten Bewegungen erinnerten mich daran, dass ich gerade so hoch oben war wie nie zuvor. Eiskalt und windig war es dort. Unter uns lag ein Gletscher, der zum Everest Basecamp führte. Dahinter der mächtige Mount Everest und die anderen Acht- und Siebentausender. Wie winzig klein und unwichtig wir Menschen doch sind im Angesicht dieser Giganten!

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Am nächsten Tag kam das böse Erwachen: die Hälfte der Gruppe litt an Höhenkrankheit mit Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Also entschlossen wir uns zum wirksamsten Mittel: Abstieg, Abstieg, Abstieg. Die Gruppe trennte sich und Istvan, die Locals nennen ihn Schneeleopard, lief weiter und erklomm allein den Kalar Pattar (5.675 m) mit unmittelbarer Aussicht auf den Mount Everest und im Anschluss das Everest Base Camp.

Der Rest wanderte zurück. Beim Abstieg fiel mir erst auf wie unglaublich weit oben wir waren und welche Strecke wir zurückgelegt hatten.

Nach einem Tagesmarsch erreichten wir Periche, das auf sicheren 4.240 Metern liegt und eine Krankenstation für Höhenkranke hat. Dort gab es Sauerstoff und Tabletten gegen Höhenkrankheit. Hier fand dann auch die Gruppe wieder zusammen und wir wanderten die nächsten Tage zurück nach Lukla. Von da an änderte sich das Wetter und die dichten Wolken versperrten die Sicht auf den Everest, was uns frohlocken ließ über unser bisheriges Glück. Auch bemerkten wir, dass wir gerade rechtzeitig vor dem großen Touristenansturm losgelaufen waren, denn nun kamen uns ganze Reisegruppen entgegen. Diese benötigten sichtbar mehr Verpflegung, weshalb auch deutlich mehr Yaks unterwegs waren, die ihre stinkenden Hinterlassenschaften auf den jetzt glitschigen Pfaden hinterließen.

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Im Helikopter über dem Himalaya

Schließlich kamen wir einen Tag früher als geplant in Lukla an und wollten gleich einen Rückflug nach Kathmandu nehmen. Leider verpassten wir den letzten Flieger ganz knapp, weil das Wetter umschlug und keine weitere Flüge an dem Tag mehr starten würden. Wir waren deprimiert und wollten nur noch nach Hause. Ich konnte keine stinkenden Socken, keine verschwitzen Klamotten und schon gar keine Knoblauchsuppe mehr ertragen. Mir war kalt und ich hatte die Nase voll von den äußerst schlichten Unterkünften. Ich sehnte mich nach einer heißen Dusche! Mir graute vor dem Gedanken an geschmacklose Nudeln, versalzenes Omelett oder faden Reis. All das wollte ich jetzt nicht mehr.

Und dann geschah ein kleines Wunder: irgendwie hatte Om es geschafft, seine Kontakte spielen zu lassen und plötzlich saßen wir im Helikopter auf dem Rückflug nach Kathmandu. Von dort oben betrachteten wir die unglaubliche Weite des Himalaya und ich war schon wieder am Heulen: dieser Trek war wohl das größte Abenteuer meines Lebens 🙂

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Im Feld

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Als 2015 eine Serie von Erdbeben Nepal heimsuchte, lag die Gegend in Sindhupalchok, rund 80 km von Kathmandu entfernt, im Epizentrum. Hier werden die Schulen wiederaufgebaut, für deren Errichtung wir im Land sind.

Wie sehr Nepal auf die Unterstützung durch internationale Hilfsorganisationen angewiesen ist, zeigt eine Ironie der Geschichte: die Schulen wurden erst zwei Jahre vor der Katastrophe von der Regierung erbaut – und die meisten Gebäude beim Beben vollständig zerstört. Dabei hatten die Menschen noch Glück im Unglück, denn das Erdbeben ereignete sich an einem Samstag, weshalb die Kinder nicht in der Schule waren. Im Distrikt Sindhupalchok werden nun insgesamt zehn Schulen gebaut.

Für die relativ kurze Strecke ins Projektgebiet rechnet man wegen der schlechten Straßenverhältnisse mit etwa drei Stunden Fahrtzeit, weshalb wir bereits um sechs Uhr morgens losfuhren.

Wo die staubigen Hauptstraßen in Kathmandu einem überstrapazierten Schleichweg gleichen, verwandeln sie sich auf dem Weg gen Nordosten in der Regenzeit in holperige Schlammpisten, denen nur mit einem robusten Geländewagen mit Allradantrieb beizukommen ist. In Erinnerung an rumpelige Fahrten auf Nias hatte ich vorsichtshalber meinen Sport-BH angezogen und mich mehrfach selbst beglückwünscht für diese weise Entscheidung.

Kaum hatten wir die überfüllten Hauptstadtstraßen hinter und gelassen, schlängelten wir uns an der angeblich höchsten Shivastatue der Welt vorbei tief hinein in die Berglandschaft. So sehr mich die unwegsame Straße auch durchschüttelte, besänftigte mich die grandiose Aussicht: dicht bewachsene grüne Hügel, unterbrochen durch neongrüne Reisterrassen, abgesteppt vom blauen Himmel mit weißen Kuschelwolken. Wenn man ganz großes Glück hat, reißt der Himmel auf und man bekommt eine Ahnung von den schneebedeckten Giganten des Himalaya.

Angekommen im ersten Dorf, kamen wir gerade rechtzeitig zu einem Workshop zu erdbebensicherem Bauen. Die Wissensvermittlung ist Teil des großen Plans, die Bevölkerung nachhaltig gegen kommende Katastrophen zu wappnen.

Anschließend ging es weiter hinein ins Feld. An einem schlammigen Flusslauf entlang krochen wir zu einem Dorf, so weit entfernt wie bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen, wo eine weitere Schule gerade fertiggestellt worden war und nun begutachtet werden musste.

Die Fotos sind teilweise etwas verschwommen, weil ich aus dem wackelnden Auto heraus fotografiert habe.

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Nachdem wir für den Tag alle Baustellen besucht hatten, ging es zurück ins Feldbüro, wo auch übernachtet wird. Sobald die Sonne untergegangen ist, kocht die Vermieterin in ihrer kleinen Wellblechhütte neben dem Haus ihr Süppchen, bzw. Dhal Bat, Reis und Linsen, das Nationalgericht. Kleiner Gag am Rande: auf ihre Frage hin, ob es bei uns auch Linsen gäbe, antwortete ich, dass wir die durchaus auch haben, dass der Liebste sie sich aber immer selbst zubereitet. Daraus schloss die gute Frau, dass ich nicht kochen kann – denn in Nepal gehören Linsen so selbstverständlich zu jedem Essen wie Knödel in Bayern. Und auch was die Verköstigung der Linsen anging, leistete ich mir einen kleinen Fauxpas. Denn wo die Linsensauce normalerweise über den Reis gekippt wird, löffelte ich sie als vermeintliche Suppe und hatte damit die Lacher unweigerlich auf meiner Seite.

Am nächsten Tag zog ich dann los, um Leute zu interviewen, die für die Organisation arbeiten. Heraus kamen dabei die folgenden kleinen Portraits, die auf den Social Media Kanälen geteilt und kräftig geliked wurden. Die Mitarbeiter hatten bis dato noch nie so viel Aufmerksamkeit erfahren und wurden durch die Veröffentlichung zu kleinen Berühmtheiten im Dorf. Seitdem fragen alle, wann ich endlich wiederkomme, um weitere Interviews zu führen… ich halte euch auf dem Laufenden!

Dinesh, Leitender Ingenieur

Als leitender Ingenieur ist Dinesh verantwortlich für die Überwachung der Baustellen und der weiteren Ingenieure in Sindhupalchok/Thilosirubari, wo Help insgesamt 10 Schulen baut.

Dinesh hat vor seiner Tätigkeit für Help im privaten Sektor und als Berater für die nepalesische Regierung gearbeitet. Dabei hat er auch Erfahrungen im Design verschiedener Bauvorhaben gesammelt, wie private Häuser, öffentliche Gebäude, Geschäftsgebäude und auch Schulen.

„Es macht mich glücklich, Schulen für Help zu bauen, denn diese sind die wichtigsten Gebäude überhaupt. Die Sicherheit der Schüler ist für mich das Wichtigste. Wir legen großen Wert darauf, erdbebensichere Schulen zu bauen und haben uns dafür schon einen guten Ruf erarbeitet. Das gibt mir ein gutes Gefühl“, sagt Dinesh über seine Arbeit bei Help.

Brakash, Projektkoordinator

Brakash arbeitet als Projektkoordinator für Help. Er ist zuständig für die Betreuung der laufenden Aktivitäten rund um die einkommensschaffenden Maßnahmen, die Help anbietet, die gesamte Koordination des Projektmanagements im Feld, wie auch der beteiligten Behörden auf lokaler und Regierungsebene. Vor seiner Zeit bei Help war Brakash bei verschiedenen namhaften internationalen Nichtregierungsorganisationen und als Lehrer tätig. Zu seiner Arbeit bei Help sagt Brakash: „Ich bin stolz darauf, für Help zu arbeiten, denn wir helfen den Menschen in den abgelegenen Gebieten, die wirklich Hilfe benötigen, und das sind vor allem die Kinder. Das ist das Beste an meiner Arbeit“.

Ganga, Lehrerin an der Ganesh Schule, die von Help wiederaufgebaut wurde

Ganga unterrichtet Grundschüler der 1.-5. Klasse in den Fächern Mathematik, Naturkunde, Gesellschaft, Englisch und Nepali, außerdem betreut sie auch die Vorschule.

Sie ist seit 10 Jahren Lehrerin und freut sich, dass sie in dem neuen Help-Gebäude unterrichten kann. „Im Gegensatz zu vorher ist die neue Schule erdbebensicher, es gibt ausreichend Wasser und Toiletten und dadurch eine gute Lernumgebung“, berichtet Ganga. Sie arbeitet sehr gern als Lehrerin und jetzt macht es ihr noch mehr Spaß: „Ich mag es sehr gern, mit den Kindern spielerisch zu lernen, mit ihnen Zeit zu verbringen. Und ich schätze das professionelle Umfeld, das die neue Schule bietet“, ergänzt Ganga.

In einer Klasse sitzt auch ihre sechsjährige Tochter, die es toll findet, von ihrer Mutter unterrichtet zu werden.

Alltag

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Wenn mich das Leben in Entwicklungsländern eines gelehrt hat, dann wie glücklich sich alle schätzen können, in der sogenannten westlichen Welt leben zu dürfen.

Ich will das mal an einem ganz profanen Beispiel erläutern: Elektrizität.

Was passiert eigentlich, wenn der Strom ausfällt? Ganz einfach: man geht zum Hauptschalter und schaltet den Strom wieder ein. Was aber, wenn die zentrale Stromversorgung ausfällt, man niemanden erreichen oder sich gar beschweren kann und niemand weiß, wann es wieder Strom gibt?

Zuerst fällt die Waschmaschine aus, die am Vormittag eingeschaltet wurde und schon fast fertig war. Eigentlich ist es ja nicht so schlimm, wenn die Wäsche ein bisschen einweicht. Es gibt ja ohnehin nur ein Waschprogramm, kalt. Aber wie lange kann sie da drin liegen, bis sie anfängt zu stinken?
Dann gibt auf einmal der Computer Alarm: Achtung, Sie arbeiten im Reservemodus. Schließen Sie Ihren Computer an die Stromversorgung an!
Hmm. Würde ich ja gerne… Wo ich doch am Montag erst mein Abenteuer mit dem Reparieren des Netzteils für den Computer hatte. Anscheinend gibt es da irgendeinen Fluch, wonach mein Netzteil immer erst mal kaputt gehen muss. Das bescherte mir eine abenteuerliche Fahrt mit dem Taxi zur anderen Seite der Stadt.

Der Taxifahrer wusste plötzlich doch nicht mehr so genau, wo ich eigentlich hinwollte. Am Ende standen wir mit zwei Verkehrspolizisten über mein Handy gebeugt und rätselten alle vier, wie wir zu der betreffenden Stelle kommen, welche auf der mobilen Karte ganz in der Nähe rot angezeigt wurde. Irgendwie habe ich es dann geschafft, den Taxifahrer halbwegs dorthin zu lotsen und bin den Rest gelaufen.
Für gut 20 Euro wurde schließlich das Netzteil repariert und ich als alter local konnte dem Taxifahrer auf dem Rückweg den Weg weisen.

Kein Strom

Nagut, denn eben Mittagessen, ich hatte eh schon Hunger.
Der Kühlschrank ist natürlich auch ausgefallen. Mal sehen, wie lange sich die Sachen darin halten.
Das leckere Ofengemüse von gestern Abend wäre jetzt was. Aber, oh Schreck, der Ofen geht natürlich nicht. Dann eben in der Pfanne aufwärmen. Wir haben ja Gas. Doch der Ignitionherd läßt sich nicht anwerfen, denn der läuft nur mit Strom. Ich könnte es natürlich mit einem Feuerzeug versuchen, aber wer weiß, was dann wieder schief geht.

Egal, dann gibt es eben ein zweites Frühstück: jeden Tag schneide ich mir eine frische Mango in mein finnisches Müsli mit Sojamilch. Kann man auch mal mittags essen.
Dazwischen mal schnell den Weg von hier zur Hauptpost herausfinden. Es gibt nämlich nur eine zentrale Post, die mitten in der Stadt liegt. Das bedeutet dann wieder eine aufregende Fahrt mit dem Fahrrad. Aber, ach so, Internet geht natürlich auch nicht.

Nun ja, dann eben abwarten. Und den altmodischen Stadtplan nutzen.

Während ich mein Müsli knuspere, höre ich plötzlich Wasserrauschen – die Waschmaschine geht wieder ….
Dafür ist jetzt das Internet ausgefallen 🙂

Manchmal ist die Lösung eines Problems so „einfach“, dass man nur lachen kann. Wie etwa mit dem nicht funktionierenden heißen Wasser: wir hatten an allen Knöpfen rumgedrückt, sämtliche Schalter umgelegt, das Wasser lange laufen lassen, doch es wurde einfach nicht heiß. Der Boiler sprang nicht an. Also habe ich schließlich die Vermieterin gefragt. Und die kam, drehte das Wasser auf und zack – es war brühend heiß. Wie das? Nunja, sie hat einfach den Regler für den Duschkopf umgelegt und den Kaltwasserhahn aufgedreht. Natürlich waren die Regler für heiß und kalt umgedreht und dass es zwei unterschiedliche Funktionen für Duschköpfe gibt, ist wieder so eine einzigartige Logik…

Reparatur des Internets

Die „Reparatur des Internets“ war auch wieder so ein Fall für sich. Nach dem Stromausfall funktionierte das Modem nicht mehr, es stierte gefährlich rot, also hab ich gleich unseren IT Experten angerufen. Der hat für den nächsten Tag um 10 jemanden vom Internet Service Provider organisiert. Erstaunlicherweise waren sie sogar schon um 9:30 da. Repariert wurde dann nicht bei mir im Haus, sondern direkt am Kabel, hoch oben am Verteilermast an der Strasse, wo sich hunderte schwarze Kabel schlängelten. Dabei lehnte ein Mitarbeiter mit seiner Stahlleiter direkt auf dem Kabelgewirr, was wirklich äußerst gefährlich aussah, und hängte ein kleines Modem oben ein. Zauberei oder gute Götter, jedenfalls funktioniert es jetzt wieder.

Fahrradunfall

Dann erlebte ich meinen ersten kleinen Fahrradunfall. Nix Schlimmes. Aber doch eine kleine Warnung, dass ich nicht so ne dicke Lippe riskieren sollte, was den Verkehr angeht – er ist wirklich mörderisch, wie ich schmerzhaft erleben durfte.
Ich hielt mich ja schon für recht versiert im Strassenkreuzen und beobachtete die Gegenseite gut –hatte aber meine Rechte nicht mehr im Blick.
Dann ging alles ganz schnell und -zack, lag ich auf dem Boden auf der Hauptverkehrsstrasse. Noch ehe ich verstehen konnte, was überhaupt geschehen war, umringten mich bereits Leute und fragten, ob alles ok sei und halfen mir auf und versicherten sich, dass ich wirklich klar kam. Gleich wieder aufsteigen und weiterfahren. Nach ein paar Metern, es ging auch noch bergauf, realisierte ich erst, wie schnell mein Herz klopfte und die Hände zitterten. Einfach weiterfahren.

Nun ist die Lippe ist geschwollen und ich zähle meine blauen Flecken 🙂

Beim Yoga waren wir auch wieder. Extra eine Yogamatte besorgt. Und wir haben jetzt eine Dauerkarte. Die Nepalis sind ja auch sehr bürokratisch und sie lieben Ausweise. Nun ziert mein Konterfei meinen ersten Yogaausweis überhaupt! Yoga? Ich? Pilates wäre mir ja lieber. Aber es ist auch interessant, sich mal diesen Verrenkungen hinzugeben.

Mission Post

Am Freitag habe ich dann tatsächlich meine Mission erfüllt und die Post rechtzeitig aufgesucht.
Vor dem abgewrackten Gebäude im Innenhof stehen drei ganz putzige Postkästen.
Der grüne ist für die lokale Post im Kathmandu-Tal, nationale Briefe Nepals fliegen in den roten und die Auslandspost landet im blauen.

Ich ging aber hinein und habe meine Post persönlich abgegeben. Wunderbar postonkelhaft stempelte der einzige Postbeamte geflissentlich meine Postsachen und grinste mich höchst zufrieden an. So waren wir beide glücklich und haben uns freundschaftlich zugewunken.

Das wäre auch abgehakt.
Insgesamt habe ich über eine Stunde gebraucht, hin und zurück. Also so schnell werde ich dieses Abenteuer nicht wiederholen.

Das war eine ganz typische Woche. Am Wochenende waren wir wieder auf einer NGO Party eingeladen. Auch hier in Nepal herrscht ein ewiges Kommen und Gehen, so dass es immer reichlich Gelegenheiten für alle möglichen Parties gibt.

So läuft das hier eben.
Jeden Tag ein Abenteuer.
Jeden Tag eine Planänderung.
Jeden Tag Flexibilität zeigen.
Jeden Tag genießen.
Eigentlich fast wie in Berlin 😉

Von Tempeln und Hunden

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Wenn man in Kathmandu jemand nach dem Weg fragt, wird man immer an einem Tempel entlang gelotst. Dabei gibt es hier so viele, dass sich auch die Einheimischen nicht alle Namen merken können. Kathmandu gilt ja auch als Stadt der Tempel. Es gibt kaum eine Strasse, in der nicht entweder ein Tempel, ein Stupa (eine Art Grabhügel) oder zumindest ein klitzekleiner Altar steht. So zeigt sich im Alltag überall der hinduistische oder buddhistische Glaube.

Beeindruckend sind auch die von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichneten Tempelanlagen in Bhakatpur. Dorthin haben wir unseren ersten Ausflug unternommen und einen Einblick in die hiesige Kultur gewonnen.

Beim Eintritt bekommt man eine ordentliche Bescheinigung ausgehändigt und auch im Alltag sind die Nepalesen sehr bürokratisch. Wenn man beispielsweise ein Dokument mit einem blauen, statt schwarzen Stift unterschreibt, wird es von den Behörden nicht anerkannt und man muss alles von Neuem einreichen. Recht kompliziert wird hier alles dadurch, dass man vieles persönlich erledigen muss, da es keine funktionierende Post gibt oder (noch keine) Überweisungsscheine. So wird dann z.B. die Rechnung für’s Internet im hiesigen Büro des Providers oder die Miete direkt beim Vermieter in bar bezahlt.

Da hantiert man dann immer mit Riesensummen im tausender Bereich. Die Geldscheine sind übrigens recht leicht zu merken, denn die sind nach Art und Größe der einheimischen Wildtiere sortiert. So ziert den größten Schein, den Tausender (umgerechnet etwa 10 Euro), ein Elefant. Dann kommt der Fünfhunderter mit dem Königstiger, der Hunderter mit einem Nashorn und – mein Lieblingsschein – der Fünfziger mit dem Schneeleoparden. Danach kommen die kleineren Tiere wie Antilopen oder Yaks, eine in Zentralasien verbreitete Rinderart. Auf der Rückseite ist auf allen der Mount Everest abgebildet.

Ich wünschte, ich könnte euch die Aussicht zeigen. Wir wohnen momentan im fünften Stock eines erdbebensicheren Hochhauses, darüber befindet sich noch eine Art Dachterrasse. Von dort hat man einen einen grenzenlosen Blick über die riesige Stadt. Ein Häusermeer, so weit das Auge reicht. Jetzt, in der Regenzeit, herrscht meistens klare Sicht, so dass man in der Ferne im Westen den Swayambhunath Stupa erkennen kann. Die Augen Buddhas sollen mit seinem wohlwollenden Blick (nicht nur) die Gläubigen auf all ihren Wegen beschützen.

Die Aussicht hier werde ich vermissen. Ist schon erstaunlich, wie schnell mein kleines Herz sich für etwas begeistern kann. Bei aller Begeisterung für neue Abenteuer schmerzen all die Abschiede doch immer wieder…

Wenn man Glück hat, so wie wir letzten Sonntag, kann man im Osten sogar den Himalaya sehen. Das ist wirklich beeindruckend. Man schaut sich die Berge an, zuckt mit der Schulter und denkt, ja, okay, Berge. Bis der Blick nach oben wandert, richtig weit oben, so dass man den Kopf tief in den Nacken legen muss, und da entdeckt man die Spitze eines von tausenden Bergen des Himalayas. Die Berge sind höher als die Wolken – und das ist noch nicht mal der Mount Everest. Unglaublich!

Unglaublich sind auch die Einheimischen – nämlich unglaublich nett! Bisher hatte ich nur positive Erlebnisse. Die Leute stören sich nicht an meinen kümmerlichen Nepali Versuchen oder wenn ich sie der Einfachheit halber auf Englisch anspreche. Mit einem Lächeln gelingt hier fast alles.

Besonders herzlich wurde der Liebste beim Einstand ins Projektgebiet empfangen und sogleich mit etlichen Blumengirlanden behängt, als Ausdruck der Wertschätzung und Verbundenheit.

Die eigentlichen Chefs hier sind aber die Hunde. Tagsüber schlafen sie friedlich, liegen da wie zerzauste Stofftiere. Die anderen Verkehrsteilnehmer umfahren sie vorsichtig, wenn sie auf der Strasse ruhen.

Doch abends, wenn es dunkel wird, kommt ihre Zeit. Als zuverlässiges Wachpersonal verteidigen sie ihr Revier gegen sämtliche Eindringlinge. Seien es Menschen oder freche Artgenossen, die es wagen, unsichtbare Grenzen zu übertreten. Dann wird gebellt, als gäbs kein Morgen mehr. Das geht dann in einem vielstimmigen Kanon so lange, bis alle Menschen im Bett liegen und jeder Konkurrent vertrieben ist.

Und dann, ab fünf Uhr früh, wenn die fleißigen Nepalesen den Tag beginnen, startet das Bellkonzert aufs Neue, untermalt vom rhythmischen Ruf eines Kuckucks, der sich hier irgendwo rumtreibt.

Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, wie auch an den durchgängig rauschenden, hupenden und klappernden Strassenverkehr. Der Verkehr ist wirklich mörderisch. Wenn mir jemand vor einem Monat gesagt hätte, dass ich hier mit dem Fahrrad rumdüsen würde, hätte ich ihn wohl für verrückt erklärt.

Auf den ersten Blick erscheint es, als gäbe es keine Regeln. Nach einer Weile durchschaut man, wie es läuft. Regel Nummer eins: nicht zurück schauen. Regel Nummer zwei: einfach drauflos fahren. In kurzer Zeit habe ich mich auch daran gewöhnt und fetzte hier wie die Locals durch die City und wage es sogar, rechts abzubiegen – was bei der Masse an Fahrzeugen und Linksverkehr jedes Mal eine Mutprobe darstellt.

So fügt sich der Verkehr relativ reibungslos bis man durch das schrille Pfeifen eines Verkehrspolizisten gestoppt wird. Denn es gibt hier keine Ampeln. Die Verkehrspolizisten stehen mit Atemschutzmasken mitten im Verkehr und schaffen es irgendwie, den Überblick zu bewahren und das Chaos zu regulieren. Auch ich sollte eigentlich mit einer Maske rumfahren, denn die Luftverschmutzung ist unübersehbar. Wenn man nach einem Ausflug in der Stadt zu Hause unter der Dusche steht, ist das Wasser schwarz. Bisher fahre ich allerdings auf kurzen Strecken lieber ohne Maske. Und man sollte nicht wie ich staunend mit offenem Mund durch die Gegend kurven, sondern darauf achten, nur durch die Nase auszuatmen. Sonst kann es schon mal passieren, dass irgendwelcher Dreck in den Mund fliegt, den man dann schleunigst wieder ausspucken muss 🙂

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Nach einem Monat hier haben wir uns dank der gründlichen Einarbeitung durch unsere Freunde Cri&Pascal super eingelebt. Ich weiß, wo ich was einkaufe, kann mein Bier schon auf Nepali bestellen und mit dem Taxifahrer um den Tarif feilschen. Wir haben sogar schon ein Lieblingsrestaurant um die Ecke und gehen regelmäßig zum Yoga.

Das Beste an der ganzen Einführung ist aber, dass wir auch gleich den Freundeskreis von Cri&Pascal geerbt haben. So führen wir nach vier Wochen bereits ein erfülltes Privatleben und treffen uns regelmäßig mit den neuen Freunden. Dadurch bekommen wir tolle Tipps und lernen gemeinsam neue Ecken kennen. So macht das Leben hier wirklich Spaß und schmälert den Verlust der Freunde und Familie am anderen Ende der Welt.

Pascal, Silv, Cri and me

So, jetzt aber muss ich mich wieder um meine Hausarbeit kümmern, ich muss packen! Denn wir ziehen um! Das nächste Mal schreibe ich dann aus der neuen Wohnung.

 

Namaste 🙂